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Arkanum

Das Residenzschloss Altenburg,

 

  Residenzschloss Altenburg

 

  Luftansicht

 

ist eine Schatzkammer in Thüringen und erbefürstlicher Kultur. Die Silhouette des Altenburger Schlosses wird noch heute bestimmt von der Entwicklung der mittelalterlichen Burganlage zum Residenzschloss der Herzöge von Sachsen-Altenburg. Das Miteinander der verschiedenen Baustile lässt Geschichte und Kunstgeschichte unverwechselbar erleben. Barocken Gestaltungsprinzipien folgend sind die Räume Licht durchflutet, gestatten die Wahrnehmung weiträumigen Zimmerfluchten und werden so zur idealen Schaubühne, um historisches Mobiliar, zum Teil aus Schlossbesitz, Gemälde sowie kunsthandwerkliche erlesene Objekte in Szene zu setzen und einen interessierten Besucherkreis zu offerieren.

 

  Lindenau-Ausstellung

 

Eine Facette der Schloss-Schatzkammern sind die umfangreichen Porzellanbestände des Museums. Sie bilden den Grundstock einer Dauerausstellung in drei Räumen des Museums. Die Mehrzahl der gezeigten Objekte stammen aus der Sammlung des Bernhard August von Lindau (1779-1854). Ein kunsthistorisches Kleinod ist das so genannte Sibyllenkabinett - eine barocke Raumschöpfung zur Aufbewahrung von Porzellan, Keramik und Gläsern.

 

  Sibyllenkabinett

 

(Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Buch „ Porzellan aus China und Japan“ Staatliche Kunstsammlung Kassel. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Anja Schaluschke).

 

Zur Vorbereitung einer Ausstellung 1989 unter dem Motto „ Schätze Chinas in Museen  der DDR“  wurde von Herrn Herbert Bräutigam in der Altenburger Schlossbibliothek ein höchst bemerkenswertes Album entdeckt: „ Das Chinesische Bilderalbum“.

 

Das Album, gemalt mit Tusche und deckenden Farben auf Papier (Gouache), besteht aus 23 Blatt dünnen chinesischem Papiers, die auf stärkeres Papier aufgezogen sind. Die auf ca. 30,5 x 37,5 cm zugeschnittenen Bilder sind ihrerseits als Illustrationen in ein Buch europäischer Bindung eingeklebt. Dieses Buch beschreibt laut Titelblatt „Histoire, origine et fabrication de la porcelaine en Chine.“ Es enthält „Extraits de diverses relations de Voyageurs et  Missionaires, par Fois Salle, amateur.“ Es ist handschriftlich in französischer Sprache geschrieben und in das Jahr 1821 datiert. Den chinesischen Bildern gehen vier Seiten Einleitungstext voraus, der durch zusätzlich eingeklebte Illustrationen verschiedener Porzellanvasen etc. ergänzt ist. Der Autor beschreibt darin kurz die Rohmaterialien, ihr Mischungsverhältnis und ihre Verarbeitung für die verschiedenen Waren. Vor jedem Albumblatt steht auf einer separaten Seite ein mehr oder weniger ausführlicher Kommentar. Am Ende folgt eine Liste der Abbildungen.

(Dieses Album wurde im Verlauf der Vorbereitungen der Ausstellung „Schätze Chinas in Museen der DDR“ von Herbert Bräutigam in Altenburg entdeckt. Die Blätter 11 und 17 waren in der Ausstellung zu sehen und sind in den beiden gleichnamigen Katalogen (Ausstellung Dresden, 1989, Kat. Nr. 127, und Hildesheim, 1990, Kat. Nr. 209/10, kleine Unterschiede im Text) abgebildet.)

Wie der Autor Francois Salle` selbst im Titel schreibt, bezog er seine Informationen aus den Berichten der französischen Missionare und anderer Reisender in China. Viele seiner Beschreibungen sind direkt aus den Briefen D`Entrecolles übernommen. Manche der Bildkommentare sind auch bei heutigem Kenntnisstand korrekt, andere hingegen beweisen, dass selbst jemand mit detaillierter Kenntnis der Berichte D`Entrecolles noch immer nicht genug wusste, um die zum Teil unvollständigen Bildfolgen, die im 18. und frühen 19. Jahrhundert in Europa in Umlauf waren , korrekt interpretieren zu können.

 

Das große „ARKANUM“

 

Das streng gehütete Geheimnis eines jeden Töpfereibetriebes war die Zusammensetzung der Tonmasse.

 

1. Suche nach Petuntse in den Bergen.

 

 

2. Abbau und Abtransport der Petuntse.

 

 

3. Transport des Rohstoffs auf kleinen Booten (auch Kaolin wurde auf diese Weise aus den              

Bergen der Umgebung nach  Jingdezhen gebracht).

 

 

4. Die Stampfhämmer der Wassermühle zermahlen die Petuntse zu sehr feinem Puder.

 

 

5. Das Petnutse-Pulver wird mit Wasser vermischt und kräftig umgerührt. Der sich dabei  bildende Schaum (s. auch Bild 6) wird abgeschöpft und zum Ablagern in Becken mit befestigtem Rand gegeben. Aus diesen fließt das überschüssige Wasser langsam in etwas tiefer gelegene andere Becken ab.

 

 

6. Umfüllen der Petuntse-Wasser-Mischung. (Möglicherweise war dieses Blatt ursprünglich  

vor Bild 5 eingeordnet).

 

 

7. Petuntse und Kaolin werden gemischt und zunächst zum Ablagern in eine Höhle gegeben.

 

 

8. Wasserbüffel zerstampfen die Mischung aus Kaolin und Petuntse zu einer homogenen

Masse.

 

 

9. Zwei Arbeiter im Vordergrund bearbeiten die Porzellanmasse, aus der ein Töpfer

anschließend die kleinen Schalen dreht, die im Hintergrund zum Trocknen aufgestellt

werden.

 

 

10. Die inzwischen angetrockneten Schalen werden weiterbearbeitet. Sie werden geglättet,

und der Fußring wird ausgespart.

 

 

11. Während ein älterer Arbeiter die Scheibe mittels eines Riemens in Bewegung hält, gibt

 der jüngere Töpfer der Schale die gewünschte Form und Wandungsdicke.

 

12. Überarbeitung von Tellern, möglicherweise durch Eingravieren eines feinen Ritzmusters,                          

das unter der Glasur leicht durchschimmert. Die Arbeiter vorn links im Bild glasieren die

die Stücke anschließend.

 

 

13. Anfertigung der Brennkapseln aus grobem Ton.

 

 

14. Das Porzellan wird in die Brennkapseln eingesetzt und dann in hohen Stapeln in den Ofen 

gebracht. Der Boden der oberen Muffel bildet jeweils den Deckel der unteren; die

Porzellane selbst stehen auf einer Schicht aus Kaolinpulver oder auf kleinen Brennstützen,

damit sie durch den unterschiedlichen Dehnungsfaktor von Porzellan und Kapsel keinen

Schaden erleiden.

 

 

15. Während des Brandes öffnet ein Arbeiter mit einem Eisenhaken eine der Kapseln, um zu

Sehen, wie weit der Brennvorgang fortgeschritten ist.

 

 

16. Nach dem Abkühlen werden die Brennkapseln aus dem Ofen geholt und das Porzellan

herausgenommen und geprüft. Nach dem Abwiegen, einer Kontrollmaßnahme, werden

die Stücke in die Malwerkstätten gebracht.

 

 

17. Die Ankunft eines Kaufmanns in der Porzellanmanufaktur. Möglicherweise überwacht er

Ausführung des von ihm bestellten Überglasurdekors.

 

 

18. Bemalung von Tellern mit Überglasurfarben und/oder Auftrag von Golddekor.

 

 

19. Einbrennen der Überglasurfarben im offenen Muffelofen.

 

 

20. Einbrennen der Farben im geschlossenen Brennofen. Dieser wird von oben und unten

gleichzeitig befeuert, wobei das oben eingeworfene Holz zwischen die beiden

Ziegelmauern fällt, aus denen der Ofen besteht, und keinesfalls mit dem Porzellan in

Berührung kommt.

 

 

21. Das Porzellan wird zuerst mit Binsen umwickelt und dann in hölzerne Fässer verpackt.

 

 

22. Die Fässer werden beschriftet, während der Manufakturvorsteher das von den daneben

stehenden Kaufleuten als Bezahlung erhaltene Silber abwiegt.

 

 

23. Die Träger rasten auf dem Weg nach Kanton. Das Porzellan wurde nicht die ganze Strecke getragen, sondern nur auf dem kurzen, aber beschwerlichen Weg über den Meiling-Paß, der die beiden wichtigsten Wasserstraßen der Transportstrecke Jingdezhen – Kanton verbindet.

  

 

Alle Fotos und Einleitungstext wurden freundlicherweise vom RESIDENZSCHLOSS ALTENBURG zur Verfügung gestellt.

 

Mein besonderen Dank an Frau Uta Künzel, Redaktion und Museumsleiterin, die es mir mit umfangreichem Informationsmaterial ermöglichte, diesen Artikel zu erstellen.


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