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Basic Nr. 2

BONSAISCHALEN



Wie die Bonsaikunst selbst, stammen auch die Pflanzgefäße für Bonsai aus China. Bis heute sind die Qualitäten bestimmter Epochen dieser Keramik unerreicht.







Ein Bonsai ohne Basis ist nicht vorstellbar. Diesmal ist nicht das Nebari gemeint, sondern das Pflanzgefäß, die Schale. Die bekannte wörtliche Übersetzung der Schriftzeichen für Bonsai lautet: Baum, der in ein Gefäß gepflanzt ist, Baum und Schale sind also von der Bedeutung her unlösbar miteinander verbunden. Bon und Sai formen eine Einheit, die die physischen Bedürfnisse des Baumes wie auch die ästhetischen Anforderungen befriedigt, sie gleichzeitig aber auch festlegt. Die Schale soll also das Wachstum und die Gestalt des Baumes sowohl ermöglichen als auch begrenzen, wie der Rahmen des Bildes dieses eingrenzt, aber durch ihn auch erst die volle Wirkung des Bildes möglich wird.
Bedingt durch die hohen Einfuhrpreise für japanische Schalen und die oft mangelhafte Qualität der chinesischen Massenware haben scheinbar viele Liebhaber mehr Aufmerksamkeit dem Baum gewidmet und die Schale vernachlässigt. Seit einiger Zeit sind auch von heimischen Töpfern hergestellte Schalen auf dem Markt, die erstaunliche Qualitäten hervorbringen, aber aufgrund der Produktionsweise (Einzelstücke in Handarbeit) keinen niedrigen Preis realisieren lassen. Die vielen Jahrhunderte der Pflanzgefäßtradition in China und Japan (den Herkunftsländern der Bonsai) haben äußerst verfeinerte und authentische Kunstwerke hervorgebracht, die wir etwas genauer betrachten wollen.







In diesem Artikel, der das Thema nur anreißen kann, wollen wir versuchen, Sie an eine Welt heranzuführen, die für einige so faszinierend geworden ist, daß sie darüber den Baum fast vergessen und nur noch Schalen sammeln.
Genauso wie die Bonsaikunst liegt der Ursprung ihrer Pflanzgefäße in China. Ohne geringste naturwissenschaftliche Kenntnisse der Chemie schufen chinesische Keramiker (z.B. im 12. Jh.) nur durch geduldiges Experimentieren und ständiges Verbessern Pflanzgefäße von solch einer Qualität, daß selbst modernste Technologie sie in ihrer Vollkommenheit nicht erreicht. Ab der Epoche, in der der Buddhismus nach Japan kam (ab 538 n. Chr.), waren die chinesischen Pflanzgefäße beliebte Sammelobjekte. Man kann sagen, daß japanische Bonsailiebhaber bis vor wenigen Jahren, in denen die japanischen Keramiker eine äußerst hohe Qualität entwickelt haben, für ihre ausgezeichneten Bonsai die chinesischen, vor allem die antiken (Kowatari-) Pflanzgefäße bevorzugt haben. Die japanischen Pflanzgefäße benutzte man gewöhnlich für Bonsai der unteren und mittleren Qualität. Und noch heute existiert ein fundamentaler Unterschied zwischen beiden. Es ist ein gewisses Etwas, was die chinesischen Pflanzgefäße haben. Sie vermitteln ein besonderes Gefühl durch ihre „weiche“ Form und die kräftigen Farben. Selbst heute noch ist jede chinesische Schale unterschiedlich, individuell sowohl in der Farbe wie auch in der Form.



Ein wesentlicher Unterschied besteht zwischen japanischen und chinesischen Schalen durch die verschiedenen Herstellungsmethoden. Die japanischen Pflanzgefäße werden, obwohl von Hand gefertigt, in einer Form hergestellt, d.h. der Ton wird in eine vorgefertigte Form gepresst, und die Hände bearbeiten die Innenseite der Schale. Die Chinesen benutzen eine innere Form, die nur als Gerüst für den Ton dient. Der Ton wird also über die Form gebracht. Die Außenseite wird von Hand modelliert, wodurch unzählige Formen und Verzierungen möglich werden.



Die Farben der Glasuren entstehen im Brand durch Metalle oder Holzasche. Kobalt erzeugt die Blautöne, Kupfer ergibt die Grüntöne, wenn die Atmosphäre des Ofens Sauerstoff enthält (Oxidationsbrand). Die Rottöne entstehen, wenn der Sauerstoff im Ofen verbrannt wird (reduzierter Brand). Eisen gibt Farbtöne, die von Lederfarben über Brauntöne bis hin zu einem schon fast reinen Schwarz reichen. Herrscht eine reduzierte Atmosphäre, bekommt man den wunderschönen und begehrten Farbton Seladon, ein grün-grau oder grün-blau.



Den Ton kann man in drei Kategorien einteilen: Terrakotta, Steingut und Porzellan. Der Unterschied liegt im Mischungsverhältnis der unterschiedlichen Bestandteile. Terrakotta wird
bei 950°– 1100 ° C, Steingut bei 1100° - 1300° C und Porzellan bei 1350° - 1400° C oder mehr gebrannt. Der Ton schrumpft beim Trocknen und beim Brand um manchmal mehr als 10 %. Die verschiedenen Keramiken werden unterschiedlich hart. Terrakotta erreicht nicht den Punkt des Aussinterns“ verglast“ also nicht, bleibt deshalb am weichsten und kann auch weiterhin Wasser aufnehmen (Bsp.: die roten Blumentöpfe). Steingut hingegen wird fast bis zum Punkt der Verglasung gebracht und absorbiert daher kein Wasser, ist deshalb auch ´´frosthart “.
Porzellan ist absolut verglast und erreicht deshalb die größte Härte, aber auch die größte Sprödigkeit.



In die Auswahl der Schale gehen unter anderem Überlegungen zum Wesen des Baumes, seiner Dicke und Höhe, der Farbe der Blätter, Blüten, Früchte und Rinde sowie der Jahreszeit, in der der Baum am schönsten ist, ein.

Aus gärtnerischer Sicht sind die Terrakotta-Blumentöpfe ideal, wenn die Pflanzen vorübergehend in diesem Topf bleiben sollen. Allerdings müssen sie im Winter frostfrei gestellt werden. Terrakotta ist porös, was erlaubt, daß Wasser durch die Poren entweichen und Luft an die Wurzeln gelangen kann. Sie trocknen sehr schnell und müssen daher im Sommer öfter als Steinguttöpfe gegossen werden, haben aber dadurch auch eine Kühlwirkung für die Wurzeln. Die Nachteile: die Zerbrechlichkeit, die geringe Lebensdauer und die Notwendigkeit, jährlich umzupflanzen, um die Versalzung des Substrates wegen der hohen Wassergaben zu vermeiden.
Steingut ist ein sehr festes Material. Glasieren ist möglich, deshalb hat Steingut eine enorme ästhetische Bandbreite. Da diese Materialklasse wasserdicht ist, sollte man auf perfekte Drainage achten. Vor dem Eintopfen testet man die Drainagelöcher auf richtige Funktion, indem man etwas Wasser in die Schale gießt : das Wasser sollte komplett ablaufen. Wenn das nicht passiert müssen die Löcher mit der Feile glatt gefeilt werden. Steingut ist das Material für die Bonsaischalen. Es gibt sie in den verschiedensten Formen, Farben und Größen. Dies sollte es nicht allzu schwer machen, für jeden konkreten Baum das passende Gefäß zu finden.
Porzellanschalen nutzt man heute nur noch sehr selten in der Bonsaikultur, mit Ausnahme speziell angefertigter Mame- und Shohinschalen, denn sie sind meist sehr stark verziert und lenken dadurch den Blick von der Gesamtkomposition Baum – Schale zu sehr ab.





Artikel und Fotos wurden freundlicherweise von BONSAI ART zur Verfügung gestellt.


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