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Diskussion

Diskussion über die Auswahl einer passenden Bonsaischale.

 

Ein Bonsai durchläuft in seiner Entwicklung – angefangen bei der Entnahme aus dem Freiland bis hin zum „Erwachsenenalter“ – verschiedene Phasen. Auch die jeweils gewählte Schale wirkt sich auf diese Entwicklung aus. Das abgebildete Schema ist nur ein Beispiel für eine solche Entwicklung. In diesem Beispiel setzen wir beim vierten Umtopfen an, da die Auswahl der endgültigen Schale ansteht. Trotzdem wollen wir nicht versäumen darauf hinzuweisen, dass die Aufbauarbeit bei einem Bonsai niemals endet und demzufolge zu keinem Zeitpunkt von einer wirklich endgültigen Schale die Rede sein kann. Sie ist nur solange die letztlich gültige Schale, wie der Baum in seiner Struktur erhalten wird bzw. sich unsere Vorstellungen nicht ändert.

Bonsaientwicklung

1. Freiland

Der Baum ist zwar klein und alt, aber noch kein Bonsai.

2. Ausgraben - Erstes Eintopfen

„Geburt“ des Bonsai. Um den Baum zu schonen, wird er zuerst in ein Anzugsgefäß gepflanzt.

Er ist noch im „Kindergarten“.

3. Zweites Umtopfen.

Nachdem der Baum die Strukturierungsphase durchlaufen hat, wird er in seine erste, noch zu große Bonsaischale gepflanzt. Er ist jetzt in der „Schule“.

4. Drittes Umtopfen

Der Baum hat sich schon an das Leben in der Bonsaischale gewöhnt. Nun wird ein kleineres Gefäß ausgesucht, in dem er aber noch gut wachsen kann. Er ist in der „Oberstufe“ angelangt.

5. Viertes Umtopfen – Derzeitiger Zustand

Das Nebari wird herausgearbeitet und eine passende Schale ausgesucht. Er erreicht die „Universität“.

6. Fünftes Umtopfen

Der Bonsai kommt ins „Erwachsenenalter“. Die Aufbauarbeit ist beendet.

 

 

Dieser Baum soll im vorliegenden Artikel in Bezug auf die Schalenauswahl diskutiert werden. Drei Jahre nach der letzten Umtopfmaßnahme. Er wuchs in einer rechteckigen Schale. Maße der Schale: 46,2 cm x 30,2 cm x 11,5 cm.

 

Auswahl der Schale

Takeshita: Dieser Baum soll das vierte Mal umgetopft werden. Er ist in seiner Entwicklung so weit fortgeschritten, dass er seine „Jugend“ fast hinter sich hat und so aussieht, als wäre er fast „erwachsen“. Bald werden wir ihn auf lokalen Ausstellungen präsentieren können. Genauso wie beim zweiten Umtopfen muss jetzt die passende Schale ausgewählt werden. Diesmal spielt aber nicht nur die Größe, sondern auch die Form eine wichtige Rolle.

Da es keine allgemeingültigen Richtlinien gibt, die exakt festlegen, welche Schale für welchen Baum bestimmt ist, würde ich Ihnen raten, sich bei der Wahl der Schalengröße an den Erfordernissen der Baumkultivierung zu orientieren. Ich möchte Ihnen aber auch meine Erfahrungen mit der Schalenauswahl weitergeben, die ich durch viele Jahre der Bonsaikultur gewonnen habe.

Auch wenn dieser Baum, wie jeder gute Bonsai, einem kontinuierlichen Aufbauprozess unterliegt, glaube ich nicht, dass wir ausschließlich an seine Kultivierung denken sollten. Auch wenn es erforderlich ist einen Baum alle paar Jahre umzutopfen, wird dadurch ja nicht unbedingt ein Schalenwechsel nötig. Man könnte sich auch dazu entschließen, den Baum in einer Anzuchtschale zu kultivieren. Trotzdem sollte man die Auswahl der zum jeweiligen Zeitpunkt auch formal adäquaten Schale nicht hinauszögern. Was Art und Farbe der Schale betrifft, so halte ich mich nicht an feste Regeln. Genauso wie jeder einzelne von uns frei über seine Garderobe entscheidet, ist die Auswahl der Schale in erster Linie ein subjektives Thema und nicht ein Dogma, das man einfach übernimmt. In meiner Schule diskutiere ich die Schalenfrage normalerweise sowohl mit meinen Schülern als auch mit Fotografen aus meinem Bekanntenkreis. Fotografen betrachten die Dinge oft anders, aber nicht weniger professionell. Ich selbst lerne viel durch ihre Sichtweise.

 

Voraussetzungen, um eine geeignete Schale aussuchen zu können

Zunächst einmal muss man über eine ausreichende Anzahl an Schalen passender Größe verfügen, um die adäquateste aussuchen zu können. Manche Gestalter besitzen außerordentlich viele Schalen, was natürlich am günstigsten ist. Obwohl ich selbst Profi bin, standen mir jedoch nur die in diesem Artikel vorgestellten Schalen zur Verfügung. Wenn wir beispielsweise davon ausgehen, dass wir pro Baum 5 Schalen brauchen, um wirklich  auswählen zu können, macht das bei nur 10 Bäumen schon 50 leere Schalen. Ich müsste dementsprechend Hunderte von Schalen vorrätig haben. Da es schwierig ist soviel Material bereitzustellen, wird man meist gezwungen sein, einfach eine der momentan verfügbaren Schalen auszusuchen.

Wenn ich über die Auswahl der Schalen spreche, vergleiche ich diese Aufgabe gern mit der Endscheidung über die Garderobe: Selbst wenn es sich um eine Person handelt, die sich gern elegant kleidet, sind ihr bei dem, was sie jedem Tag tragen kann, Grenzen gesetzt. Am besten wählt man also zwischen den Schalen, die man im Moment hat, diejenige aus, die den eigenen Ideen am nächsten kommt. Ich verabschiede mich nun und lasse meine Kollegen anhand der Beispiele darüber diskutieren.

 

Wichtige Aspekte sind Größe und Tiefe

Diese drei Schalen, die als Beispiel dienen, könnten Probleme bei der Kultivierung verursachen. Da dieser Baum noch in der Verfeinerungsphase ist, müssen wir ihn seinem Alter entsprechend „anziehen“. Um die Ausstrahlung des Baumes schon während seiner Kultivierung wirklich genießen zu können, erweist sich keine der hier gezeigten Schalen als geeignet.

 

 

Die Schale ist zu klein. Schalenmaße: 41 cm x 31 cm x10,5 cm. In einer zu kleinen Schale wachsen die neuen Wurzeln nicht gut. Außerdem wirkt der ganze Baum etwas künstlich.

 

 

Zu groß. Schalenmaße: 50,5 cm x 35 cm x 15 cm . Wenn die Schale zu groß ist, wachsen die Wurzeln in die Länge. Das geht auf Kosten ihrer Dichte. Außerdem wirkt die Schale zu schwer.

 

 

Zu flach. Schalenmaße: 55 cm x 41,5 cm x 6,5 cm. Die Kultivierungsbedingungen sind ähnlich denen in der zu klein dimensionierten Schalen. Da es zu wenig Erdvolumen gibt, ergeben sich für die Wurzeln Wachstumsprobleme. Der dicke Stamm wirkt nicht stabil genug verankert.

 

Diskussion über die Auswahl der Schale

 

 

Ovale Schale. Maße. 61 cm x 40,5 cm x 7,5 cm.

 

Farbe

Redaktion: Auf Ausstellungen findet man gewöhnlich keine Kiefern in glasierten Schalen. Wieso nicht? Ist es lediglich  die Macht der Gewohnheit, oder gibt es andere Gründe? Können Sie mir eine plausible Erklärung geben?

Yamashita: Abgesehen davon, dass diese Schale für die Kultivierung zu flach ist, harmoniert das Grün des Blattwerks nicht mit dem Blau der Schale.

Hattori: Ich schließe mich meinem Vorredner an.

Suga: Vielleicht wäre diese Farbe nach dem Geschmack junger Leute. Wenn man die Wahl hat, vermeidet man jedoch Farben aus dem grünblauen Bereich des Farbenkreises. Komplementärfarben wirken interessanter. 

Zum Beispiel?

Suga: Beispielsweise aus dem roten Farbbereich, z.B. eine Schale aus rotem Ton.

Lieber eine rote Tonschale als eine blau-glasierte?

Yamamoto: Ich bin auch der Ansicht, dass eine Tonschale besser ist als diese glasierte, da man die Farbe Grün (Nadeln) gut mit einem erdfarbenen Ton kombinieren kann. Das Zusammenspiel von Grün und Erde vermittelt einen natürlichen Eindruck.

Und was halten sie davon, dass in den letzten Jahren Azaleen, die ja auch Immergrüne sind, sowohl in Tonschalen als auch in farbig glasierte Schalen gepflanzt werden?

Yamashita: Da Azaleen blühende Pflanzen sind, passt die Lieblichkeit und Eleganz der Blüten zu einer glasierten Schale. Obwohl es sich um immergrüne Bäume handelt, haben sie diese besonderen Charakteristika.

Yamamoto: Abgesehen von der Art spielen bei Bonsai noch zwei grundsätzliche Aspekte eine Rolle: ihre kraftvolle oder sanfte Erscheinung. Blauglasierte Schalen sind auffällig und wirken meist sanft. Tonschalen dagegen sind zurückhaltender. Dieser Baum erweckt den Eindruck von Vitalität, man stellt ihn sich in einer strengen Umgebung vor. Wählten wir dafür eine auffällige Schale, so würde diese „eine andere Sprache sprechen“ als der Baum.

Yamashita: Die Verwendung einer glasierten Schale in welcher Farbe auch immer, um eine Kiefer hineinzupflanzen, hängt trotzdem vom persönlichen Schönheitsempfinden ab. Das kann man niemandem aberkennen. Als ich meine Lehre begann, dachte ich rein intuitiv an unglasierte Schalen für Kiefern.

Zusammenfassend können wir sagen, dass zu der grünen Farbe einer Kiefer erdfarbene, unglasierte Tonschalen oder zurückhaltend glasierte Schalen passen.

 

 

Flache runde Schale (Nanban). Durchmesser 50,5 cm , Höhe 5,5 cm.

 

Form

Redaktion: Diesmal stellen wir eine  der „Nanban-bachi“ vor. Das sind Schalen, die vor fast fünf Jahrhunderten die ersten Portugiesen und Spanier von Thailand, Südchina und Java nach Japan brachten. Dieser Schalentyp wird normalerweise nur für bestimmte Baumarten verwendet. Sicherlich ist auch bekannt, dass solche Schalen meist für Bäume in Bunjin-Stil oder in windgepeitschter Form verwendet werden, da sie einen großartigen Eindruck von Leichtigkeit  und Freiheit vermitteln. Was halten Sie davon, einen Baum wie diese Kiefer in eine solche Schale zu pflanzen?

Yamashita: Ich glaube, dass wir Probleme bei der Kultivierung bekommen könnten, da sie sehr flach ist. Diese Schale sieht zudem nicht kräftig genug aus.

Yamamoto: Wir sollten eine tiefere Schale nehmen, die mehr Erde fasst.

Hattori: Dieser Baum mit seiner sehr orthodoxen Stilform, lässt sich sicher nur schwer  mit einer runden Schale in Verbindung bringen. Dieser Baum hat zu viel Charakter für diese Schale.

Herr Suga, die anderen Herren sind durch ihre jahrelange Erfahrung bestimmte Kombinationen gewöhnt. Sie jedoch sind erst seit kurzer Zeit dabei. Was meinen Sie zu dieser Schale?

Suga: Leute wie ich, die keine Experten sind, haben leicht die klischeehafte Vorstellung, dass jede Schale rechteckig sein muss. Warum nicht einmal eine runde aussuchen? Diese Schale machte allerdings von Anfang an einen äußerst seltsamen Eindruck auf mich. Darin scheint der Baum auf einem Berg zu stehen.

Auf einem Berg? Das bedeutet doch, dass Baum und Schale gut zusammen passen würden, oder nicht?

Suga: Das Nebari sieht aber zu…

Wenn wir diese Wirkung steigern würden, z.B. indem man einen Stein ergänzt, oder ihn auf ein Steintablett pflanzt, würde es dann besser passen?

Yamashita: Der Vorschlag klingt interessant. Wenn wir auf der linken  Seite nur genügend Platz lassen könnten! Vielleicht auf einem länglichen Stein… Die einzige Rechtfertigung, um einen Stein hinzuzufügen, besteht darin, dem unteren Bereich (Wurzeln) mehr Volumen zu geben, um dadurch einen Ausgleich zum Volumen des oberen Bereiches (Krone) zu schaffen. Das könnten wir jedoch ebenfalls mit einer ausdrucksstarken Schale erreichen.

Hattori: Auf den ersten Blick scheint es interessant zu sein. Ich bezweifle jedoch, dass sich die Dynamik des Baumes dadurch steigern ließe.

Wie ich sehe, stimmen Sie alle darüber überein, dass dieser Baum weder zu einer flachen noch zu einer runden Schale passt und ebenso wenig auf einen flachen Stein .Dann bleibt vorläufig nur die klassische Möglichkeit: eine unglasierte , rechteckige oder ovale Schale.

 

 

Ovale Schale. Maße: 50,3 cm x 40 cm x 11 cm.

 

 

Rechteckige Schale. Maße: 50 cm x 36 cm x 13,5 cm.

 

Rechteckig oder oval?

 

Redaktion: Dann kommen nur noch zwei Schalen in Frage, die fast dieselbe Größe haben: die rechteckige oder die ovale Schale. Bezüglich der Kultivierung gibt es zwischen den beiden keinen Unterschied. Yamashita und Yamamoto stimmen darüber überein, dass die ovale Schale am besten geeignet ist. Hattori und Suga geben der rechteckigen den Vortritt. Ich bin auch der Meinung, dass die rechteckige  Schale die beste ist, würde jedoch gerne hören, wie jeder von ihnen seinen Standpunkt vertritt.

Yamashita: Bis jetzt befand sich dieser Baum in einer rechteckigen Schale, und wir haben uns an seinen Anblick darin gewöhnt.

Yamamoto: In der Breite sind sie beinahe identisch, aber die rechteckige Schale wirkt aufgrund ihrer geöffneten Form größer. Die Größe der ovalen Schale ist adäquat für den derzeitigen Zustand des Baumes. Die Form des Baumes erscheint mir am besten mit dem geraderen Schalenrand zu harmonieren. Das ist mein Eindruck. Allerdings bin ich nicht in der Lage, konkrete Gründe dafür anzugeben.

Hattori: Die rechteckige Schale ist etwas geräumiger. Da der Baum in den nächsten 3 Jahren in derselben Schale bleiben soll, trägt deren größeres Fassungsvermögen dazu bei, dass er sich leichter entwickeln kann. Das könnte den Ästen und Nadeln zugute kommen. Die ovale Schale ist wahrscheinlich ein bisschen klein.

Suga: Ich denke, dass die rechteckige Schale besser zu diesem dynamischen kompakten Baum passt. Die Kraft der rechteckigen Schale korrespondiert am besten mit der des Baumes. (Herr Takeshita kommt dazu). Ich schließe mich der Meinung von Herrn Suga an:ein kräftiger Baum gehört in eine kräftige Schale.

Takeshita: Ich denke, beide Schalen würden zu diesem Baum passen, da sie die adäquate Größe für die Kultivierung haben. Aber ich persönlich bevorzuge die ovale Schale, sie sieht schöner aus. Vergleicht man das Kräfteverhältnis zwischen Baum und Schale, kommt man zu dem Schluss, dass die rechteckige Schale etwas zu mächtig ist. Nur selten können zwei gleiche Kräfte harmonieren. Ganz im Gegenteil: Sie heben sich gegenseitig auf. Die ovale Schale ist etwas zurückhaltender. Durch die Wahl einer Schale, die diskreter als der Baum ist und sich diesem unterordnet, wird er noch hervorgehoben. Das derzeitige Aussehen des Baumes wird sich jedoch ändern und das der Schale nicht, daher wird diese Schale bei der nächsten Umtopfmaßnahme in drei Jahren voraussichtlich zu schwach wirken. Dann verbessert sich die „Beziehung“ der rechteckigen Schale zu dem Baum.

 

 

Die Breite der beiden Schalen ist fast identisch, die rechteckige ist dennoch offensichtlich größer als die ovale.

 

Autor: Yoshiaki Takeshita

 

Bilder und Text wurden freundlicherweise von BONSAI ART zur Verfügung gestellt.


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