Diese Seite drucken

Erde und Feuer-Engobenschalen

Der spezielle Reiz der von Altem ausgeht ist schwer zu definieren. Subjektiv löst er unterschiedliche Empfindungen aus. Im Falle dieser alten Bonsaischalen könnte man der Meinung sein, sie seien überladen und kitschig, oder aber ein Ausdruck eines sinnesbewussten, naturverbundenen Lebens.

Letzteres hat für mich einen besonderen Reiz, denn diese Schalen sind Zeugnis von einer Kultur, die es noch verstand sich selbst in Bezug zur Natur zu stellen, um eins zu sein mit ihr. Die einzelnen Facetten des „Eins“ sein sind das Alltägliche, das kulturelle und das spirituelle Leben.

Im  Nachdenken über solch alten Schalen kommen viele Aspekte in den Sinn. Unsere westlich linear ablaufende Zeit kommt in der chinesischen Malerei eher zyklisch zum Ausdruck, also rund, sich immer wiederholend, unendlich. Symbole hierfür sind der Wechsel der Jahreszeiten, der Sonne, der Mond, Ebbe und Flut, Werden und Vergehen.

Im Betrachten solch alter Schalen spürt man besonders, dass auch Vollkommenes der Vergänglichkeit anheimfällt. Risse, Sprünge und Abblätterungen sind hier auch Symbole des Vergehens, und sie verleihen den Schalen eine besondere Würde und Patina.

Diese Schale besticht durch Form und Finish, eine ausgesprochen schöne Schale, die bestimmt nicht aus einer Serienproduktion stammt. Es fasziniert mich immer wieder, dass bei alten chinesischen Schalen, die eigentlich eine genaue symmetrische Form haben, die Asymmetrie in Form von ungleich angesetzten Bildspiegeln, Figuren oder Ornamenten zum Gleichgewicht kommt.

Über jede Kritik erhaben dilettantisch zu sein, wird das Schiefe und das Gerade zur unnachahmlichen, harmonischen Einheit. Die ausgefallene Form der Schale hat folgende Maße: 28 cm x 17 cm x 18 cm. Wer mehr über diese Schale erfahren möchte kann das auf dieser Webseite in der Rubrik „Geschmack des Feuers“, Titel „Fingerspuren“ 



Hier noch einiges über die Technik des Engobierens.
Das Wort Engobe kommt aus dem Französischen und ist ein aufgeschlämmter und stark verdünnter Ton. (über die einzelnen Engoben-Techniken können sie hier noch etwas lesen)


Die Engoben-Technik ist so alt wie das Töpferhandwerk, und wurde natürlich auch im alten China zur Bonsaischalen Dekoration genutzt. Die hier gezeigten Schalen wurden mit einer blass-gelben Engobe über einen roten Schalenkörper, eingefärbt. Innen ist die rote Farbe des Grundtones gut zu sehen.

Die einzelnen Arbeitsgänge wurden meist von mehreren Personen ausgeführt. Der Töpfer erstellte die Grundform. Der Künstler in der Familie übernahm die Rohform und dekorierte sie mit Motiven und Schriftzeichen, meist Auszüge aus Gedichten oder Liedern. Diese wurden mit verschiedenen Bambusmessern in den noch nicht trockenen Ton eingeritzt oder geschnitten. Anschließend wurde die farbige Engobe mittels Schwamm oder Bürste auf die noch lederharte Schale aufgetragen.
Die Ornamente oder Schriftzeichen, die ja vertieft in der Schalenwand waren, färbten nicht mit ein. Durch den dunklen Untergrund traten sie jetzt natürlich deutlich hervor. Nach dem Trocknen wurden die Schalen im Einbrand-Verfahren glattgebrannt

(Artikel wird bei Bedarf fortgesetzt)

Die hier vorgestellten Schalen stammen alle aus der Sammlung von Paul Lesniewicz.
Fotos und Text: Peter Krebs