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Fest Verwurzelt

Fest  verwurzelt !

Die Bedeutung der Befestigung in der Schale

In Büchern und Zeitschriften kann man lesen, wie wichtig beim Umpflanzen das Befestigen des Bonsai ist. Eine genaue Methode wird aber oft nicht erwähnt. Tatsächlich handelt es sich um eine Arbeit, die häufig als bekannt vorausgesetzt wird.  Aus diesem Grund ist es für einen Anfänger nicht leicht, die große Bedeutung zu erkennen, die in der Fixierung eines Bonsai beim Umtopfen liegt. In dem folgenden Text  wird deshalb das Thema des Befestigens des Baumes beim Umpflanzen vertieft.

Entwicklung der Wurzeln

Beim Umpflanzen eines Bonsai oder auch einer gewöhnlichen Pflanze muss diese fest in der Schale oder im Topf fixiert werden , damit das Wachstum der Wurzeln nicht fortwährend  durch so kleine Bewegungen gestört wird. Der Wurzelapparat erfüllt viele Aufgaben. Außer der Aufnahme von Wasser und der darin gelösten Nährstoffe verankern die Wurzeln die Pflanze auch fest im Boden. Wird der Baum in eine Schale gepflanzt, wachsen die Wurzeln und umklammern die Bodenkörner, die sie umgeben, oder wachsen entlang der Schalenwand. Pflanzen sind nicht wie Tiere, die sich auf ihre Nahrung zu bewegen müssen. Die Wurzeln nehmen zwar Wasser und Nährsubstanzen auf, indem sie sich im Boden wachsend verzweigen, ihren wichtigsten Nährstoff, die Glukose, produziert die Pflanze  aber selbst. Damit sich der Wurzelapparat ungestört entwickeln kann, muss der Baum also fest im Boden verankert sein.

Auch Samen lieben Stabilität

Wenn man einen Samen pflanzt, beschränkt man sich nicht darauf, diesen auf die Oberfläche  des Bodens zu legen, sondern vergräbt ihn leicht oder bedeckt ihn mit einer Kompostschicht. Damit verhindert man, dass seine Entwicklung gestört oder er durch  die Bewegung, die durch Regenwasser oder Gießen ausgelöst werden, instabil wird. Der Samen bewegt sich jedoch, wenn die Triebe und Wurzeln mit dem Wachstum beginnen, und die Wurzeln könnten dann der Luft ausgesetzt werden. Dann wird das Wachstum des Samens beeinträchtigt oder geschädigt. Dies geschieht auch in der Natur und führt so zu einer natürlichen Selektion. Sät man aus, kann man aus, kann man dagegen besonders darauf achten und so den Verlust junger Pflanzen vermeiden. Deshalb wird immer empfohlen, die Samen mit einer Schicht Komposterde zu bedecken und mit Vorsicht zu gießen.

Pflanzen bewegen sich

Vor einigen Jahren wurde ein wundervoller Film produziert, in dem zu sehen war,dass "die Wüste lebt". In diesem Film wird das Überleben vieler Pflanzen und Tiere in der Wüste gezeigt. Wirklich beeindruckend ist jedoch die Szene, in der zu sehen ist, wie sich Bäume bewegen. In der Wiederholung im Schnelldurchlauf ist das Wachstum einer Pflanze vom Morgen bis zum Abend  und an mehren Tagen zu bestaunen. Diese Wesen, die so unbeweglich erscheinen, verändern in Wahrheit mit dem Wachstum ihre Form und ihr Aussehen. Auch wenn das schwer zu überprüfen ist, unter der Erde geschieht im Hinblick auf das Wachstum der Wurzel das gleiche. Unter den Bedingungen ausreichender Feuchtigkeit und Temperatur entwickeln sich die Wurzeln überraschend schnell an den Körnern des sie umgebenden Bodens entlang. Wenn sich die Erdkörner aber bewegen oder der Körper der Pflanze sich verschiebt, hören die Spitzen der Wurzeln auf zu wachsen. Damit sie ihre Tätigkeit wieder aufnehmen können, braucht es Zeit und stabile Bedingungen in der Umgebung.

Erde zwischen die Wurzeln bringen

Beim Umpflanzen ist ein Arbeitsgang besonders wichtig,den die Japaner Suki-komi nennen, "Auffüllen der Räume".Mit diesem Begriff bezeichnet man die penibel auszuführende Arbeit, ein Stäbchen zwischen den Wurzeln kreisen lassen, die Wände der Schale abzuklopfen, die Oberfläche des Bodens mit einer kleinen Schaufel festzudrücken, damit die Körner in alle Freiräume eindringen und keine Lufttaschen bestehen bleiben. In einigen Bereichen, wie im Innern des Wurzelballens, besonders unter dem Ansatz des Stammes, kann die Erde kaum richtig eindringen, wenn nicht diese Methoden verwendet werden, die die Ausbildung von Lufteinschlüssen verhindern sollen. Auch das empfohlene reichliche Gießen nach dem Umpflanzen hat zum Ziel, dass in der Schale keine Lufteinschlüsse bestehen bleiben. Wenn man das Ziel jedes einzelnen empfohlenen Arbeitsganges kennt, kann auch der Anfänger die Qualität der Arbeit verbessern und befriedigendere Ergebnisse erzielen. Werden diese Einzelheiten vernachlässigt, fehlt es dem Substrat in der Schale an Stabilität, es bleiben Lufteinschlüsse im Boden und deshalb wird das Wachstum der Wurzeln behindert, verlangsamt, wenn nicht gar unterbrochen.

Baum und Schale sind eins

Auch wenn die Erde sorgfältig verteilt wird, bleiben manchmal kleine Lufteinschlüsse im Boden Wenn dann der Baum bei Wind oder der Berührung der Zweige bewegt wird, nimmt das Wachstum der Wurzeln Schaden und wird unterbrochen. Die Befestigung muss so stabil und präzise sein, dass die Schale mit dem Baum ein einziges Objekt bildet. Wenn man den Baum am Stamm anhebt, sollte die Schale fest mit ihm verbunden sein. Ob man Aluminiumdraht, Schnur oder Holzstäbchen verwendet, wichtig ist, dass der Baum fest mit der Schale verbunden ist. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Methoden, deren Anwendung von der Größe und dem Alter des Baumes, seinem Nebari bzw. Wurzelballen,der Spezies und sogar der Form der Schale abhängt. Die richtige Methode einzusetzen ist allein Sache der Praxis und Erfahrung.

Befestigung in den Drainagelöchern der Schale

Dies ist die am weitesten verbreitete Methode. Sie besteht darin, den Baum in der Schale mit einem Aluminiumdraht zu befestigen, der durch das Netz und die Drainagelöcher im Boden der Schale geführt wird. In den letzten Jahren findet man auch Schalen, die für die Drainage des Wassers große und für das Befestigen des Drahtes extra kleinere Löcher aufweisen.

Für die Befestigung geeignete Materialien

Hat ein Baum wenige Wurzeln, wie dies zum Beispiel bei in der Natur ausgegrabenen Exemplaren (Yamadori) der Fall ist, ist ein wirksameres Befestigungssystem mit Bambusstöckchen und Holzklötzchen, Schrauben und Stahldraht gefragt. Übrigens: In der Regel wird kein Kupferdraht zum Befestigen verwendet, weil das Kupferoxid das Wachstum der Wurzeln beeinträchtigen könnte. Grundsätzlich reicht für Shohin-Bonsai und leichter zu befestigende Exemplare Aluminiumdraht. Wird allerdings der Neigungswinkel deutlich verändert oder der Baum in eine Stellung gebracht, in der der Wurzelballen instabil ist, sollte Stahldraht oder eine Methode verwendet werden, die Baum und Schale fest miteinander bindet. Dann kann weder der Druck des Regens oder Wassers vom Gießen oder starker Wind, noch das Vorbeigehen und unabsichtliche Berühren der Zweige das Wachstum der Wurzeln in der Schale schädigen oder beeinträchtigen.

Der Unterschied zwischen Bonsai und Topfpflanzen

Der hauptsächliche Unterschied zwischen einem Bonsai und einer gemeinen Topfpflanze ist die Schönheit der Form und die Harmonie zwischen Baum und Schale. Aber auch an einem besonderen Gefühl, das der kundige Betrachter vor einem mit liebevoller Hingabe über Jahre kultivierten Bonsai empfindet, erkennt man die Faszination und Suggestivkraft eines reifen Baumes.

Beispiel für das Befestigen einer jungen Pflanze

Abschneiden eines Stücks Draht und Biegen zweier Ösen mit der Zange

Ein mit Kunststoff ummantelter Kupferdraht wird mit dem Fixierdraht des Netzes befestigt

Den Draht in das Netz einfädeln und im Loch auf dem Boden der Schale befestigen. Die Enden dabei mit der Zange umbiegen

Die Enden mit der Zange abrunden

Das vorbereitete Befestigungssystem in der Schale

Nach dem Umpflanzen. Der Stamm sitzt fest in der Schale

Ein Band und ein Drainageloch

Die Befestigungsmethode ist seit dem Azaleenboom vor ungefähr dreißig Jahren in Japan verbreitet. Es ist eine wirkungsvolle Methode, damit sich der dünne Ansatz des Stammes nach dem Umpflanzen der jungen Azaleen nicht bewegt. Sie wird auch heute noch oft von Bonsailiebhabern angewendet, wenn Anzuchtschalen verwendet werden. Die Methode ist universell einsetzbar und ausgesprochen logisch.

Drei, die perfekte Zahl

Normalerweise werden für Bonsai, die wieder zu Kräften kommen sollen, Anzuchtschalen aus Ton mit drei Aufstandsflächen verwendet. Anzuchtschalen  haben eine große ringförmige Aufstandsfläche an der Basis der Schale, die dreimal unterbrochen ist. Drei Punkte stehen auf einer glatten Fläche vollkommen stabil. Die drei halbrunden seitlichen Öffnungen dienen dem abfließen des Wassers und halten bei dieser Fixierungsmethode das Band an seinem Platz.

Die verbesserte Methode mit nur einem Band

Die am häufigsten verwendete Methode der Fixierung sind mehrfach gekreuzte Schnüre, die den Stamm in alle Richtungen stabilisieren sollen. Diese Methode ist nicht besonders wirkungsvoll, denn unabhängig von der Anzahl der Schnüre, die durch den Boden der Schale geführt werden, können sich diese lösen. Auch kann das Drainageloch nicht verschlossen werden, und zusätzlich stellt die Dicke der Schnüre eine Gefahr für die Standfestigkeit der Schale dar. Löst sich eine der Schnüre im Substrat, lockert sich die gesamte Struktur. Es ist klar, dass das geringste Nachgeben der Schnüre die Befestigung des Baumes in Frage stellt. Die hier vorgestellte Methode sieht eine stabile Befestigung des Baumes in der Schale durch die seitlichen Ablauföffnungen und nicht durch das Drainageloch vor. Wenn man die Schnur durch diese Öffnungen entsprechend fest zieht, besteht keine Gefahr, dass sie sich löst. Die Methode, die Schnüre durch die drei Drainageöffnungen laufen zu lassen, ist einfach und schnell, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat.

Vorgehensweise

Die zwei seitlichen Löcher zeigen in Richtung Vorderseite des Baums und das andere nach hinten. Man fixiert ein Ende der Schnur, der man eine gewisse Länge lässt, und führt das andere Ende unter den Boden der Schale von der Vorderseite bis zur Öffnung auf der Rückseite. Dann führt man die Schnur senkrecht nach oben über den Rand der Schale, rechts am Stamm vorbei und dann wieder hinunter, durch die linke seitliche Öffnung im Boden der Schale. Man zieht die Schnur unter der Schale zur rechten Öffnung und führt sie dann wieder nach oben. Dann hinter dem Stamm her und wieder über den Rand hinweg zieht man die Schnur zum Loch auf der linken Seite. Das Ganze wird noch einmal wiederholt: Vom Loch links wird die Schnur unter dem Boden der Schale geführt, von der Ansichtsseite gesehen zum rechten Loch, und wieder wird die Schnur nach oben geführt. Schließlich wird die Schnur über die Ansichtsseite links vor dem Stamm auf die Rückseite zur hinteren Öffnung geführt. An dieser Stelle wird der nun nach hinten geführte Anfangsbereich des Bandes mit dem hinteren verknotet. (Die Zeichnung macht die Methode deutlich!)

Man muss dabei kontrollieren, wie tief das Nebari eingesetzt wird, denn das Tachiagari (unterer Teil des Stammes bis zum Ansatz des ersten Astes) muss höher als der Rand der Schale sein. Am besten eignet sich für diese Art des Festbindens eine Polypropylenschnur. Die Schnur, auch wenn sie den Stamm stabil befestigen soll, darf keinen starken Druck ausüben und muss eine gewisse Elastizität haben, damit beim Verdicken des Stammes keine Probleme entstehen. Nach ungefähr sechs Monaten, wenn der Baum sich wieder ganz erholt hat, kann die Schnur bedenkenlos entfernt werden.

Der Baum nach seiner Befestigung mit nur einer Schnur

 

Dieser Artikel wurde freundlicherweise von BONSAI ART zur Verfügung gestellt


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