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Die Schätze des Herrn I.C. Su 1

Die Schalenkollektion von Herrn I.C.Su aus Taiwan zählt zu den bedeutendsten Sammlungen weltweit.

 

SHIH-TSE

I. C. Hsu 004

Diese Schale wurde in Qianlong in der Qing-Dynastie 1644-1911 getöpfert. Auf der hier dargestellten Seite ist eine wunderschöne, in traditioneller blau- weiß Technik gemalte Löwengruppe zu sehen. SHIH-TSE, der chinesische Name für Löwe, entstammt dem persischen Wort SIR. Erst durch Diplomaten aus Westasien, die Löwen als Geschenk mitbrachten, lernten die Chinesen den Löwen kennen. Der Löwe, der hier dargestellt wird, hat wenig Ähnlichkeit mit einem lebenden Löwen (Künstler hatten auch vor langen Zeiten schon "künstlerische Freiheit"). Wie in der westlichen Welt, so wurde auch in China der Löwe als "König der Tiere" bezeichnet. Häufig findet man in China Löwen als Wächter vor Amtsgebäuden und Tempel.

I. C. Hsu Detail

Der rechte Löwe ist männlich, der linke weiblich. Unter der linken Pfote des männlichen Löwen befindet sich ein gestickter Ball, unter der rechten Pfote des weiblichen Löwen ein Löwenbaby. Der Überlieferung nach ist es kein Ball, sondern eine große Perle, mit der der Löwe zur Beruhigung seines Temperamentes
spielt. Diese Version scheint mir, hat der Künstler auf der hier abgebildeten Schale bevorzugt. Im Hintergrund der spielenden Löwen sind Wolkenornamente zu sehen. Wolken gelten als ein Symbol des Glücks. Solche Glückswolken sind ein
Zeichen des Friedens. Vielleicht war diese Schale einstmals ein Geschenk an einen hohen Beamten. Mit dieser Schale sollten GLÜCK, FRIEDEN, STÄRKE und HARMONIE in sein Haus kommen.

Peter Krebs

Artikel erschienen im Schweizer Bonsai Magazin MENSCH UND NATUR.

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Fünffarben Schale



China ist eines der Länder,das als erstes Keramikgegenstände in Gebrauch hatte. Die Erfindung der Keramik war eine der wichtigsten Errungenschaften in der Jungsteinzeit. In den Götterhöhlen der südchinesischen Provinz JIANGSU wurde Keramik gefunden, deren Alter auf ca. 10 000 Jahre datiert wird. China war auch als Heimat des Porzellans bezeichnet.Von hier aus nahm es seinen Siegeszug um die ganze Welt. 10 000 Jahre Töpfererfahrung also liegt zwischen der Jungsteinzeitkeramik und der Porzellanschale, die ich Ihnen heute vorstellen möchte. Eine fast unvorstellbare lange Zeit.

Die Schale wurde in der - FÜNFFARBENDEKORATION - bemalt. Die Fünffarben gehören zu den Aufglasurfarben. Der Künstler nimmt die rote,grüne, gelbe, blaue und violette Glasur und malt sie auf den schon vorher gebrannten Porzellankörper auf. Dann wird die Malerei in einem zweiten Brand aufgebrannt.
Wenn man die Schale mit den Fingern berührt, spürt man, daß die bemalten Stellen etwas erhaben sind. Die Farben werden "harte Farben" genannt, sie sind sehr stark und prachtvoll. Diese Dekorationsart ist eine der wichtigsten Porzellanfärbungsarten, die in der bekannten Porzellanstadt JINGDEZHENG hergestellt werden.

Die im Bild gezeigte sechskantige Schale ist mit der Fünffarbendekoration bemalt und wurde im Aktionshaus Sotherby in Holland versteigert. In den Bildspiegeln der Schale sind zwei Drachen dargestellt "zwei Drachen retten eine Perle". Historisch gesehen sind in China Drachen die "Wärter des Himmels". Dieser Begriff ist durch Überlieferung von Generation zu Generation tief in die innere Welt der Chinesen eingepflanzt. Die Geschichte von den zwei Drachen, die die Perle retten, ist sehr dramatisch. Ursprünglich wurden Drachen von Chinesen als Monster und Ungeheuer dargestellt, da sie Sonne und Mond verschlucken konnten und dadurch die Sonnen-und Mondfinsternis hervorriefen. Später war diese Vorstellung zum Mythos geworden.



In der hier dargestelltenSzene sieht man zwei Drachen, die einen Feuerball, der von der Sonne und Mond vereint wird, retten. Diese Art der Darstellung symbolisiert in China eine friedliche und heile Welt.

Peter Krebs

Artikel erschienen inm Schweizer Bonsai Magazin MENSCH UND NATUR.

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LING-CHIH

 

Die Geschichte Chinas, auch die kunstgeschichtliche in ihren unterschiedlichsten Entwicklungen, wurde vom Kaisern geprägt. Man hat deshalb die verschiedenen Epochen mit ihren Namen belegt. Auf die Richtung und Entwicklung der Kunst nahmen sie großen Einfluß, ganz besonders auf die Porzellanherstellung. Das kostbarste Porzellan wurde nur in kaiserlichen Manufakturen hergestellt. Die unterschiedlichsten Marken, mit denen die einzelnen Stücke versehen wurden, tragen den Namen des Kaisers und dessen Regierungsmotto (oft sehr poetische) chinesisch: NIEN-HAO. Diese Erkennungsmarken wurden entweder in Pinselschrift oder in der älteren Siegelschrift erstellt. Die einzelnen Epochen aufzuzählen, würde diesen Artikel sprengen. So beschränke ich mich auf zwei Perioden. Fast alle Keramiken, die ich Ihnen in loser Folge vorstellen möchte, stammen aus der MING- oder QING-DYNASTY, davon ca.neunzig Prozent aus der QING-DYNASTIE.

Die MING-DYNASTIE, 1368-ca. 1643 war am Ende ihrer Zeit durch innere Kämpfe und Verarmung der Bevölkerung geschwächt. Diese Situation nutzten die Mandschu-Tataren zur Eroberung des Landes. Ihr Führer "Abahai" gab ca. 1636 seiner Dynastie die Bezeichnung Daicing, Bedeutung auf chinesisch "TA QING" oder kurz "QING" (die Klare).

Die Keramik, die ich Ihnen hier vorstellen möchte, gehört nicht in die Katekorie der Bonsaischalen. Der Grund der Vorstellung liegt im exquisiten Dekor der Porzellanvase. Hergestellt wurde sie in der QING-DYNASTIE, in der Periode QIANLONG 1736-1795, genannt "Himmlischer Wohlstand". Im Dekor der Vase sind vier Drachen dargestellt. Die freie Fläche wurde mit Feuer-und Fledermaussymbolen gefüllt. Das Feuersymbol steht für eins der fünf Elemente oder für Wandelzustand. Es ist auch ein maskulines und ein um gutes Leben bittendes Symbol. Feuer "HUO" steht auch gleichlautend für lebendig "HUO". Die Fledermaus ist in China ein Glückssymbol, Fledermaus "FU" gleichlautens mit Glück "FU". In der Darstellung auf der Vase bedeutet sie wahrscheinlich "Ruhe und Frieden".



Das Hauptsymbol der Vase besteht aus vier Drachen. Interessanterweise wurden die vier Drachen hier nicht mit einer Donner- und Glücksperle dargestellt, sondern sehr selten zu sehen mit dem Unsterblichkeitskraut "CHIH". Das CHI oder LING-CHIH ist ein Zauber- oder Drogenkraut, das oft in der chinesischen Literatur und in der bildlichen Darstellung im Maul eines Hirsches oder im Schnabel eines Kranichs dargestellt wird. Es steht auch für Langlebigkeit. Am oberen und unterem Rand der Schale sieht man ein üppiges Banddekor.

Nun zum Kern und Geheimnis der Vase. Es ist die Herstellungstechnik in ihrem Anspruch, Seltenheit und Schönheit. Diese Technik nennt man "CYENIC FLOWER mit INGLASROT". Cyenic Fower heißt ins Deutsche übersetzt "blaue Blume" und ist eine Dekorationsart mit blauer Bemalung. Inglasurrot ist im Wesen eine rote Glasur. Die mit Kobaltoxid gefärbte Glasur kann sowohl in Oxidation (mit Sauerstoff) als auch in Reduktionsatmosphäre (ohne Sauerstoff) eingebrannt werden. Die mit Kupferoxid gefärbte Glasur kann nur in Reduktionsatmosphäre oder unter sauerstoffmangelnder Bedingung erreicht werden, welche mit sauerstoffabsaugendem Stoff wie z.B. Siliziumkarbit künstlich erzeugt wird.

Jetzt kommt der absolute Schwierigkeitsgrad in der Herstellung der Porzellanvase (oder auch mancher Bonsaischale). Beide Glasuren, Cyenic Flower wie Inglasurrot brauchen verschiedene Brennbedingungen bzw. verschiedene Brenntemperaturen und Ofenatmosphäre. Es ist sehr schwer beide Farben auf einem Werkstück in einem richtigen Blau und Rot zu zeigen, besonders das Kupferrot. Die Brenntemperatur muß zwischen 1250-1270°C geführt werden. Die Temperaturschwankung muß unter 20°C bleiben. Bei höherer Temperatur verdampft das Kupferoxid und das Rot verblaßt. Bei zu niedriger Temperatur wird die Farbe dunkel bis schwarz. Aus diesem Grunde waren Kunstwerke mit Cyenic Flower und Inglasurrot Dekoration nur sehr schwer herzustellen , und es gibt auch nur sehr wenig gute Stücke davon zusehen.

Das hier gezeigte Meisterwerk wurde 1999 in Hongkong im Auktionshaus Sotherby versteigert. (Preis ? oh,oh.)

Peter Krebs

Artikel erschienen im Schweizer Bonsai Magazin BONSAI KUNST

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FENCAI

Die Geschicklichkeit eines guten Töpfers und die Vorstellungskraft eines begnadenden Malers sind Voraussetzung ein kleines Kunstwerk zu erschaffen, das symbolisch jene Zustände wünscht, die der Mensch als paradiesisch empfindet.



Diese kleine Schale aus dem "YONGZHENG" Zeitabschnitt in der "QING-DYNASTIE" ist ein berufenes Beispiel einer solchen Symbiose. Die Porzellanherstellung in dieser Periode übertraf alle anderen Porzellanarten und zeigte ein Höchstmaß an technischem Können. Auch die Möglichkeiten des Malens des Porzellans erreichte ihren Zenit, man hatte ein überaus hohes Niveau erreicht.Die Darstellungen glichen Gemälden in unübertrefflicher Farbenpracht.
Möglich machten dies neu entwickelte Farbglasuren. FENCAI (HUA) bedeutet "zarte Farben" oder RUANCAI, meint "weiche Farben", in der westlichen Welt unter "FAMILLE ROSE" bekannt, erweiterten die Möglichkeiten der Malerei enorm.
Die bis dahin bestehende Möglichkeit der Emailbemalung oder das Malen in der Fünffarben-Technik YICAI (HUA) wurde verbessert durch neu entwickelte Farbglasuren.

Die Farbpalette erweiterte sich durch zwei neue Farbpigmente, zum einen durch das aus Europa stammende Goldchlorid (ein Rubinrot) und zum anderen durch eine weiße Emailfarbe. Schlüsselfunktion übernahm das Weißpigment, daß sich mit vielen anderen Farbpigmenten mischen ließ. So erst wurde das Farbenspektrum enorm erweitert. Aus einem kräftigem Rot mischte man Rosa, und allen anderen kräftigen Farbtönen verhalf das untergemischte Weiß zu "weichen Farbabtönungen". Die gezeigte Schale ist ein exzellentes Beispiel der Pastellmalerei (oder Famille-Rose).



In der dargestellten Szene spielen Kinder im Garten. Auch hier hat wieder, wie schon in vorhergehenden Artikeln beschrieben, alles eine symbolische Bedeutung. Von links gesehen ein großer Stein, Symbol für Langlebigkeit. Ein Knabenpaar steht für harmonische Eintracht. Ihre Attribute, Lotosstengel und Vase, bedeuten "friedlich vereint". Einer der Knaben hält einen Fisch als Spielzeug. Das Wort für Fisch "YÜ" ist im chinesischen gleichlautend mit Überfluß und steht somit für Reichtum. Ein Kind mit Fisch bedeutet "Hochstehende Kinder sollst du im Überfluß haben". Am Himmel fliegt eine Fledermaus "FU", gleichlautend mit "FU" Glück. An den Füßchen, dem unteren und mittleren Oberrand windet sich ein Donnersymbol. Der Donner "LEIWEN" ist das Geräusch des Feuers und das Lachen des Himmels.

Die Bemalung der Schale am oberen Rand mit Blumen und anderen Pflanzen ist sehr fein und natürlich und typisch für den "YONZHENG" Zeitabschnitt. Alles wirkt sehr lebendig, weich und elegant. Bis in die heutige Zeit hinein werden noch Bonsaischalen in pastellfarbener Dekortechnik in kleinen, limitierten Stückzahlen hergestellt.

Peter Krebs

Artikel erschienen im Schweizer Bonsai Magazin BONSAI KUNST
 

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 WESTPORZELLAN

In den Regierungsperioden Kangxi, Yongzheng und Qianlong (1662-1795) kam das chinesische Porzellanhandwerk zu seiner höchsten Vollendung. Die Achtung vor dem Porzellanhandwerk führte sogar so weit, daß der rechtliche Status eines Töpferarbeiters gleich stand zu seinem Arbeitgeber. Sie begrüßten sich gleichberechtigt. Im täglichen Arbeitsablauf gab es keine Abstufung zu Herr und Diener.



Diese schale wurde von Herrn I.c.Su 1999 auf einer versteigerung von Christi in Hongkong erworben.

In der Kangxi Periode (1662-1722) schufen die Porzellankünstler unter mehreren hervorragenden Porzellansorten auch das emaillierte Porzellan. Das emaillierte Porzellan, daß dem europäischem Geschmack entsprach, war in Mode gekommen. Der künstlerische Stil des Dekors war sehr lebhaft und lebensbejahend. Die amtlichen Brennöfen in Jingdezhen stellten die feinen weißen Porzellanartikel, noch unbemalt, nur für den Kaiserhof her. Im Kaiserhof lebten die besten und berühmtesten Dekormaler, unter anderem auch eingeladene Künstler aus Europa, die dann das weiße Porzellan mit ihrer Malkunst veredelten. Dadurch verschmolz auch die europäische Geschmacksrichtung mit der chinesischen.

Die weiße Emailglasur wurde auf den rohen Scherben (= Fachbegriff für Gegenstand wie Vase, Teller, Schale usw) aufgetragen, innen und außen. Danach wurde der Scherben zum ersten Mal hoch gebrannt. Der reinweiße Scherben war nach dem Brand ein idealer Untergrund, um die Malerei mit Emailfarben aufzutragen. Diese Techniken, Untergrundglasur und Aufglasurmalerei, verlangte vom Töpfer wie vom Maler allerhöchstes "Know-How". Nur die Allerbesten konnten diesem Anspruch genügen. Emailfehler wie Blasenbildung, Abplatzer, Rißbildung, Abroller, Aufkochen, Nadelstiche, Abrutscher usw. waren unverzeihlich. Mit den Farbglasuren (Emailglasur) dekorierten die Hofmaler den weißen Scherben in einer Art von Öltechnik, die das Gemalte fast dreidimensional hervortreten ließ. Da die Glasuren fein und glänzend waren, sahen sie zum Teil noch brillianter aus als Öl auf Leinwand. Mit Email malte man Theater- und Romanszenen, Helden, Drachen, Pflanzen, schöne Steine und Gedichte in chinesischer Kalligraphie und nicht zuletzt erotische Szenen. In der Qing-Periode kam diese Art des Porzellans durch die Vorliebe des Kaisers Qian-Long zu seinem absoluten Höhepunkt. Weißes Qing-Porzellan und europäische Maltechnik vereinigten sich zum reinen Kunstgenuß.( In China nannte man diese Porzellantechnik "Westporzellan") Emaildekoriertes Porzellan war durch den sehr schweren technischen Aufwand der Herstellung äußerst rar. (siehe oben Glasurfehler) Nur der Kaiser besaß solche Stücke, selbst Minister durften solche Kunstwerke nicht kaufen.

Die im Bild gezeigte Schale ist ein solches Meisterwerk und sehr selten. Die Darstellung zeigt deutlich, daß die chinesische Landschaft und die Menschen darin im westlichen Stil, prachtvoll bunt und lebensfroh, dargestellt wurden.

Peter Krebs

Artikel erschienen im Schweizer Bonsai Magazin BONSAI KUNST


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