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Kleine Schatztruhe Nr. 2

In China, dem Ursprungsland der Jahrtausende alten Bonsaikunst, waren die ersten Gefäße, in denen man die in den Bergen gesammelten Bäumchen pflanzte, Kult – oder Wassergefäße. Da diese Gefäße keine Wasserabzugslöcher hatten, wurden sie nachträglich in den Schalenboden gebohrt.
Es ist nicht überliefert, wann die Töpfer in China ihre ersten Aufträge über die Herstellung einer Bonsaischale bekamen. Sehr alte chinesische Schalen zeugen heute davon, dass sich der Wandel vom Kult – zum Bonsaigefäß nur langsam vollzog. Gefäß wie Bonsai waren beide noch religiöse Kultgegenstände.
Leider sind in den Wirren der Kulturrevolution unzählige dieser herrlichen Gefäße zerschlagen worden. Die wenigen heute noch existierenden alten Schalen werden ihrer Kostbarkeit wegen nicht mehr als Pflanzschale benutzt, sondern als Zeugen der Vergangenheit in Museen oder Privatsammlungen aufbewahrt.
Um in den Genuss der Betrachtung und des Studiums alter Bonsaischalen zu kommen, müsste man schon nach Japan, China oder Taiwan fliegen. In Europa gibt es nur drei oder vier Orte, an denen alte Schalen für jedermann frei zu betrachten stehen. Es sind dann auch meistens gleichzeitig die Privatsammlungen der Schalenliebhaber.
Im Bestand der öffentlichen Museen sind im Bereich „Asiatische Kunst“ so gut wie keine Bonsaischalen vorhanden. Eine Alternative zu dieser nicht gerade guten Situation ist diese Web-Seite oder auch im Handel zu bekommende Bonsai Zeitschriften. Hier werden Bonsaischalen vorgestellt, die sonst für uns unerreichbar sind Das Wissen und Studium alter Schalen ist für den anspruchsvollen Bonsailiebhaber unumgänglich. Erst hierdurch bekommt er Sicherheit im Umgang mit der Schale zu Bonsai.


Schalen zum Träumen


Größe: 18,5 cm x 18,5 cm x 14,5 cm  Alter: ca. 80 – 100 Jahre


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Größe: 16 cm x 16 cm x 18 cm  Alter: ca. 80 – 100 Jahre


Ein beredendes Zeugnis aus alter Zeit ist diese Schale. Ich benenne sie einmal ganz frei „Schale der vier Jahreszeiten“
Dargestellt wird hier die Königin der Blumen, die „Päonie“ (Chin. Mu-tan). Sie ist das Blumensymbol für den Frühling (erste Foto links). Poeten haben ihr gehuldigt, und ihre Schönheit steht für höchste Erotik. Auf dieser Abbildung wird sie nicht im Zusammenspiel mit anderen Pflanzen gezeigt. Das bedeutet, dass sie hier nur für den Frühling steht. Mit anderen verschiedenen Pflanzen gezeigt, könnten die Bedeutungen auch ganz anders sein.
Es folgt der Lotos (Zweite Foto links)
Der Lotos ist eine der acht buddhistischen Kostbarkeiten. Der Lotos steht für den Sommer, und unzählige Bedeutungen haben die einzelnen Konstellationen mit anderen Pflanzen.
Blüten, Knospen, und Samenstöcke sind voller Zeichen und Symbole, und durchweben den Lotos mit poetischer Erotik.
Die Chrysantheme (Chin. Chü, zweite Bild rechts) ist die Blume des Herbstes, sie steht für langes Leben. Auch hier wieder haben Konstellationen mit andern Natursymbolen unzählige Bedeutungen.
Die Pflaume, (Chin. Mei, erste Foto rechts) oder der Pflaumenblütenzweig ist ein Pflanzensymbol für den Winter. Oft, so wie auch auf unserer Schale, wird er zusammen mit dem Bambus und der Kiefer gezeigt, es sind die drei Freunde der kalten Jahreszeit.
Auch die Pflaumenblüte hat im Zusammenspiel mit anderen Symbolen überwiegend erotische Bedeutung.
Selbst die Schmetterlinge auf den einzelnen Bildspiegeln haben erotische Bedeutung, sie stehen für einen verliebten Mann, der zwischen den geöffneten Blüten (sprich Frauen) sinnestrunken tanzt.
Im Betrachten solcher Schalen erkenne ich wehmütig die ganze Armut unserer ach so modernen Zeit. Einer Zeit, in der solche Gefäße für viele Zeitgenossen nur kitschiger Schnick-Schnack darstellt. Für den aber, der sie lesen kann, sind sie ein Vermächtnis. Sie sind Mahner und erinnern, dass Sinnlichkeit ein Teil unseres Menschseins ist, und nur dem, der sie pflegt, kommt sie ganz zur Entfaltung.
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Wunderschöne alte Schale zum Träumen


Größe: 30 cm x 20 cm x 10 cm  Alter: ca. 100 Jahre
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Größe: 35 cm x 22 cm x 9 cm  Alter: ca. 80 – 100 Jahre

Auch die Malerei auf dieser Schale steckt voller Symbole und Bedeutungen. In der deutschen Literatur wird nur mager über solche Bildsymbole berichtet, daher sind nicht alle Darstellungen gut zu übersetzen, und ihre Bedeutungen zu Verstehen und zu entschlüsseln. Aber, ich kann mir gut vorstellen, dass jeder Stein, jeder Baum, Vogel, Ochse, Fischer und Strohhütte eine Bedeutung hat.


Dargestellt ist hier eine Flusslandschaft im Frühling, die sich sehr harmonisch in die flache Form der Schale einfügt.
Auf der rechten Seite der Schale wird ein Hirte dargestellt der einen Ochsen an einem Strick zieht (vielleicht auch ein Wasserbüffel, der typisch für Südchina ist). Es kann gut sein, dass dieser Ausschnitt für eins der sechs Bilder von „Ochs und Hirte“ steht. Sie weisen auf das höchste Ziel des religiösen Lebens hin (siehe ZEN, in Gleichnis und Bild, O.W. Barth Verlag).

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Die hier im „Schatzkästchen“ vorgestellten Schalen stammen alle aus der Sammlung von Paul Lesniewicz.
Text und Fotos: Peter Krebs
 


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