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Kunstgenuss

Immer wieder beeindrucken mich alte chinesische oder japanische Malereien und Holzschnitte, auf denen, auf welcher Weise auch immer, Bonsai dargestellt werden.
Es sind nicht nur die Penjing oder Bonsai die mich faszinieren, es ist die frühe Kombination von Baum und Schale, die hier so beindruckend wirkt.
In einem Journal von BONSAI  ART stand ein Artikel von Frau „Yukiko Takahashi“, in dem ein japanischer Holzdruck gezeigt wird, auf dem ein solches Arrangement abgebildet ist.
Ein Kiefern-Bonsai steht in einer Porzellanschale.
Heute wäre das ein Stilbruch. Was mich jetzt hieran so beschäftigt ist, dass es mich irgendwie in keiner Weise stört. Im Gegenteil, es berührt mich zutiefst wie harmonisch diese Komposition auf mich wirkt.
Bei dem Betrachten des Bildes spürt man einen zu tiefst berührenden Kunstgenuss. Alles ist harmonisch, der Bonsai fließt in die Landschaft, die Landschaft setzt sich fort im Kleidungsstück und dieses wiederum fließt in das Wasser des Bottichs.
Es wird eine ganze Geschichte erzählt.
Für mich drängt sich ganz leise der Gedanke an eine solche Fassette des Genießens und der Freude über Bonsai und der Keramik auf.  
Hier nun der Artikel von Frau Yukiko Takahashi


Ein Bonsai auf einem Druck von Hokusai
Der hier gezeigte Druck trägt den Titel “angebundenes Pferd, ausgeschlossenes Pferd“. Er zeigt eine tiefe, weiß-blau bemalte Schale, in der ein Kiefernbonsai steht, daneben ein Krug und ein schwarz lackierter Bottich, die mit Gold verziert sind. Kennt man den Titel des Werks, möchte man wenigstens ein Pferd, wenn nicht zwei erwarten. Offensichtlich ist aber kein Tier abgebildet. Dieses Meisterstück der jap. Holzschnittkunst ist ein Blatt einer Serie von zwanzig Werken, die 1822 von Hokusai geschaffen wurden. In ihnen wird die Schönheit von acht berühmten japanischen Landschaften gepriesen. Diese Serie wurde von zeitgenössischen Künstlern, die Dichtung und Malerei übten, hoch geschätzt.

Um das Thema des Bildes zu verstehen, muss man die Geschichte des Todes Oda Nobungas kennen, des großen Feldherrn, der den Prozess der Japanischen Vereinigung vorantrieb. Der General Odas, Akechi Mitsuhide, und dessen Schwiegersohn, Samanosuke Mitsuharu, waren im Krieg gegen Hideyoshi, der später Odas Nachfolge antrat, geschlagen worden. Die beiden Geschlagenen kehren in der Geschichte auf die Burg von Sakamoto zurück, im Wissen, dem sicheren Tod entgegenzugehen. Im Laufe der Reise verweilen sie , um den müden Gliedern Ruhe zu gönnen, unter den Zweigen einer alten Kiefer, um dann weiter zu reiten, bis sie die Region des Biwa-Sees in der heutigen Präfektur Shiga durchqueren.
Der große See wird auf dem Druck durch den wassergefüllten Bottich dargestellt. Auf den dargestellten Objekten sind die acht berühmten Landschaften konkret oder symbolisch zu erkennen, die die beiden Samurei auf ihrer Rückreise nach Hause in den Tod sehen. Es wird berichtet, das Samanosuke Misuharu, der das Leben seines treuen  und ihm ergebenen Pferdes retten will, dieses in sicherer Entfernung zur Burg festbindet und den Rest seiner letzten Reise zu Fuß zurücklegt.

Anzumerken ist, dass es sich um einen ausgezeichneten Druck handelt, da er als Geschenk gedacht war und deshalb aus Material höchster Qualität und mit hohem Aufwand an Zeit und Mitteln seitens des Künstlers erstellt wurde. Oben auf dem Druck findet sich ein kleines Gedicht, das die erste Sonne des endenden Winters preist, die mit ihrem Licht die weichen Gipfel der Berge erhellt.

Yukiko Takahashi stammt aus einer Familie von Graveuren, deren Tradition bis in das Ende der Edoepoche reicht. Sie ist in der typischen Ästhetik der japanischen Kunst verbunden und verwurzelt

„Angebundenes Pferd, ausgeschlossenes Pferd“. Druck von Hokusai aus dem Jahr 1822

Der Artikel von Frau Yukiko Takahashi würde freundlicherweise von BONSAI  ART zur Verfügung gestellt.
 


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