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Miniporzellan 9

Die Kunst mit dem Bambusmesser

 In der Zeit, als in China weichere und weniger schamottierte Tonsorten in Gebrauch kamen, schnitzten die großen Künstler ihre Werke in den fast schon lederharten Ton.

Die Werkzeuge, die sie hierfür benutzten, stellten sie sich aus Bambus selbst her. Harte Metallspitzen und Stifte hinterlassen im noch weichen Ton unscharfe Rillen und Spuren. Konisch zulaufende Bambuswerkzeuge sind hierfür besser geeignet und zeigen ein weiches, klares Bild.

Hier zwei kleine in dieser Technik sehr seltene Porzellanschalen mit Unterglasur- Gravur

Vordere Ansicht - Größe: 9,7 cm x 6,7 cm x 6,8 cm - China

 

Seitliche Ansicht

Ihr handwerkliches Geschick war meisterlich, und so schufen sie Bilder in den Ton, wie mit einem Pinsel gemalt. Klare, feine Linienführung, beschwingt, heiter und voll innerer Kraft ist das Markenzeichen jener Töpferhandwerker, und nie hat im Westen die Tonschneidekunst eine Entsprechung gefunden.


Rückseite


Seitliche Ansicht

 

Das Ritzen oder das Schneiden auf Bonsaischalen im noch rohen Zustand war und ist eine noch heute weitverbreitete Dekortechnik. Die Fläche, auf der graviert werden soll, muss sehr glatt und von jeglicher Verunreinigung oder groben Schamottteilchen frei sein. Gearbeitet wird mit verschiedenen großen oder kleinen, breiten oder schmalen, stumpfen oder scharfen Bambusmessern oder Instrumenten. Diese Bambusinstrumente heben den Ton weicher und sanfter ab als Metallwerkzeuge, sie hinterlassen keine zerfransten Rillen, sodass die Plastizität des Motives in äußerster  Lebendigkeit hervortritt.

Vordere Ansicht - Größe: 8,5 cm x 8,5 cm x 6,8 cm - China

Seitliche Ansicht

Zuerst wurde das Motiv in den noch weichen Ton geschnitten, die Schale dann getrocknet und ein erstes Mal gebrannt. Nach dem ersten Brand wurde das eingravierte Bild mit einer Glasurfarbe eingerieben und wieder abgewischt, bis nur noch die Restfarbe in dem Motiv zu sehen war und noch plastischer erschien. Im nächsten Gang wurden die kleinen Schalen mit einer transparenten Glasur überzogen und ein zweites Mal glattgebrannt.

Rückseite

 

Seitliche Ansicht

Diese beiden Schalen, so klein wie sie sind,  "Meisterwerke."

 

Peter Krebs

Fotos: Peter Krebs

Schalen aus der Sammlung von Paul Lesniewicz


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