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Penjing

                -  PENJING  -

 

 

Mal steig ich in die Schlucht hinab,

                                     gespiegelt vom grünen Bach,

Dann wieder sitze ich am Grat

                                      auf einem mächtigen Felsen.

Einsamer Wolke gleicht mein Sinn,

                                        kein Ort wo er verweilt,

In weiter Ferne die Geschäfte der Welt –

                                      Was brauchte ich noch zu suchen?

 

                                                                                 Hanshan

 

 

Wie ein schützendes Dach wölbt sich dieser Penjing über einen Buch lesenden Gelehrten. Ein sehr harmonisches Arrangement! Außergewöhnlich ist diese alte Schale mit ihren fast 150 Jahren. Die Glasur der Schale erinnert an die Vergänglichkeit der Dinge.

 

 

Ein Zen-Wort sagt:

 

„Suche nicht nach dem Meister, sondern suche, wonach der Meister sucht“

 

Dieses Sprichwort könnte man noch verfeinern, indem man sagt „Suche nicht nach dem, was der Meister sucht, sondern suche, wonach du selbst suchst!“

 

Wir in Europa suchen, wonach der Meister sucht. Unsere Bonsaigestaltung wird immer schöner, perfekter. Unser Richtmaß sind japanische Bonsaimeister, die in den letzten ca. 80 Jahren die Vollkommenheit eines Bonsai angestrebt haben. Schaut man in den ersten kleinen Bildbänden der Kokufu Bonsaiausstellung in Japan nach, so entdeckt man durchweg Bäume, die auf heutigen Ausstellungen keine Beachtung mehr finden würden. Diese Bäume sind nicht so perfekt durchgestylt. Schaut man auf das Bonsainiveau guter europäischer Ausstellungen, kann man feststellen, dass wir uns japanischen Ansprüchen mehr als genähert haben, sie teilweise schon übertreffen. Wir haben schnell japanische Bonsaitechniken gelernt und verinnerlicht. Auch wir sind der Perfektion sehr nahe. Dies ist keine Bewertung, nur eine Feststellung. Die Frage ist nur, was kommt nach der Perfektion?

 

 

Melancholie der Vergänglichkeit.

Schale und Baum sind eine absolute Einheit. Es ist kaum noch zu unterscheiden, wo an der Schale das Moos anfängt und wo es am Stamm aufhört. Alle Grünfarbtöne verwirbeln ineinander und erinnern an das Chaos des Dao. Die Patina der Schale braucht keine Zeitangabe mehr, sie wirkt über das Auge in die Seele.

 

 

 

Penjing mit Miniaturfiguren, zwei Beamte oder Gelehrte beim Würfelspiel. Der Baum zeigt sich in einer wilden, aber dennoch ausdruckstarken Form. Die Schale stammt wahrscheinlich aus KUANGCHOU in der Provinz Kwangtung, ca. 80 Jahre und noch in einem frischen Zustand.

 

 

 

Spulen wir doch den deutschen Bonsaiweg einmal einundzwanzig Jahre zurück. 1986 wagte es ein gewisser Paul Lesniewicz aus Heidelberg eine Ausstellung zu organisieren (die Anregung hierzu kam von Herrn Dr. Wolfgang Habbel). Die Idee war, zu den Wurzeln der Bonsaikunst nach China zu reisen, hier die Orte der verschiedenen Bonsaischulen zu besuchen und einige besonders schöne Stücke nach Deutschland zu bringen. Die Idee wurde Wirklichkeit und so kam die erste deutsche „PENJING“-Ausstellung zustande.

 

 

Für buddhistische Mönche waren im frühen China die einzelnen Astetagen "Grüne Treppen die zum Himmel führen".

Ein schöner Penjing in einer noch nicht so alten oder noch gut erhaltenen Schale

 

 

 

PENJING ist Ursprung  - ist 1000 Jahre Bonsai. Chinesische, japanische und auch europäische Bonsai unterscheiden sich in ihrer Aussage gravierend. Betrachtet man den Bildband von Ilona Lesniewicz und Li Zhimin zur PENJING-Ausstellung 1986, so findet man hier Bäume, die heute keine Chance mehr hätten auf hochwertigen Ausstellungen gezeigt zu werden. Wie ist das möglich? Penjing sind Bäume im Topf, wie Bonsai. Der Unterschied liegt nur in der Gestaltungsweise. Penjing strebt nicht die Perfektion des Baumes an, sondern nur die Aussage eines jeden Baumes, eines jeden einzelnen Baumes! Stamm und Äste werden nicht groß verändert, nicht so viel gedrahtet, meist nur geschnitten oder mit Fäden gebunden. PENJING bedeutet nicht soviel Stress für Baum und Mensch, bedeutet mehr innere und äußere Gelassenheit, heitere Stimmung, Leichtigkeit, Entspanntheit usw. Auch auf PENJING-Schalen trifft dies zu, sie sind farbenfroher, formfreier, oft auch bemalt. Ich denke, hier liegt die Chance, auch einmal einen anderen Bonsaiweg einzugehen (auch mir fällt es sehr schwer die japanische Schablonenbrille abzusetzen und Bonsai einmal aus einer ganz anderen Perspektive anzusehen!). Es ist nicht die Frage nach dem richtigen oder falschen Weg, vielleicht liegt die Lösung im oben erwähnten „suche nicht was der Meister sucht …..“, denn was ist, wenn die Perfektion nicht mehr zu toppen ist, wird sie dann auf Dauer langweilig?

 

 

Peter Krebs

 

 

Zum weiteren Studium von PENJING sind folgende Bücher sehr zu empfehlen:

 

Hanshan- Gedichte vom Kalten Berg

Arbor Verlag

ISBN  3-924195-71-4

www.arbor-verlag.de

(hieraus habe ich das Gedicht zu Anfang zitiert) 

 

 

PENJING -  Ilona Lesniewicz/ Li Zhimin

Verlag Bonsai Centrum Heidelberg

ISBN 3-924982-02-3

 

 

CHINESISCHE BONSAI - Willi Benz/Paul Lesniewicz

Verlag Bonsai Centrum Heidelberg

ISBN 3-924982-00-7

 

 

PENJING: WORLDS OF WONDERMENT- Qingquan Zhao

ISBN 0-9655297-0-3

 

 

MAN LUNG ARTISTIC POT PLANTS - Wu Yee-sun

 

 

THE MINIATURE GARDENS AND STRANGE STONES OF CHINA

 

 

FANGCUN ART OF POT LANDSCAPE OF THE LINGNAN SCHOOL


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