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Pius Notter Nr. 3

KANTONESICHE SCHALEN

Die in diesem Artikel vorgestellten Schalen stammen alle aus China. Leider ist es nicht möglich, den genauen Herstellungsort oder Künstler zu benennen, da diese Schalen kein Siegel tragen. Diese Schalen wurden von den einzelnen Töpfereien zu größeren ,von der Regierung betriebenen Handelszentren gebracht und im In - und Ausland weiterverkauft. Diese drei Schalen stammen wahrscheinlich aus kantonesischen Töpfereien. Sie sind ein typisches Beispiel für eine ganz bestimmte Stilrichtung. Der Grundkörper der Schalen ist
unglasiert. Bildspiegel, Rand und aufgearbeitete Motive sind mit einer metallisch glänzenden Effektglasur überzogen (mit dem Pinsel handglasiert). Alle mit der Hand aufmodellierten Motive haben eine tiefe symbolische Bedeutung.





Alter der Schale ca. 150 – 180 Jahre, Maße der Schale: 33 cm x 33 cm x 19 cm.





Die zweite und dritte Schale sind Wasserpflanzen-Schalen für Wasserlilien, Schilf oder sonstige Wassergräser. Sie sind auch von innen glasiert, und am Bodengrund haben sie ein winziges Abzugsloch, das mit Wachs oder korkähnlichem Werkstoff verschlossen wurde und zum Ablaufen des Wassers (wassergefüllt sind diese Schalen sehr schwer) wieder geöffnet werden konnte. Um ein Überlaufen des Wassers zu vermeiden, wurden ca. 3cm bis 5 cm unter dem oberen Rand auch Abzugslöcher angebracht. Ich nehme an, dass diese Schalen von nicht so reichen Chinesen auch als Fischbecken benutzt wurden. Die Funktion der oberen Abzugslöcher bestand wahrscheinlich darin, dass bei Dauerregen das Wasser nicht über den oberen Rand abfloss und damit die kostbaren Fische in Gefahr brachte. (Reichere Chinesen besaßen Fischbecken aus dem kostbaren Porzellan. Der Vorteil eines Porzellanbeckens war, dass es innen zur besseren Fischbeobachtung hell glasiert war.) Um den oberen Rand der Schalen zieht sich ein Mäanderband aus dem Donnersymbol. Auch hier wieder Figuren und Pflanzen aus der Symbolwelt der chinesischen Kultur. Auf der rechten Seite der Schalen noch gut sichtbare Griffköpfe, die außer der symbolischen auch eine ganz praktische Funktion haben. Griffköpfe wurden besonders stark aufmodelliert, damit die Finger beim Tragen der Schale besser Halt finden konnten. Sie sind fast nur auf größeren Schalen zu finden. Diese hier sind das Abbild eines Löwenkopfes mit schon fast menschlichen Zügen, einen Ring im Maul tragend (Symbol für das Dauernde, Ewige, Zurückkehrende), in dem wiederum das Symbol für Glück und Langlebigkeit zu finden ist. Die Schalen sind ca. 80 bis 100 Jahre alt.

Peter Krebs.

Alle Schalen stehen im Schalenmuseum von PIUS NOTTER Schweiz. (Siehe auch unter „Museum Notter“).
Fotos: Pius Notter


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