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Schalen...Formen...Farben

Schalen...Formen..Farben

Die Wahl der Schale hängt von der Spezies, der Form und der Größe des Exemplars ab, die sie aufnehmen soll. Das gilt auch für Shohin-Schalen, die oft lebendigere Farben zeigen können.

Was ist ein Bonsai?

Um die Bedeutung sehr knapp aus beiden Schriftzeichen des Wortes Bon-Sai wiederzugeben, sagt man einfach, dass es sich um eine Pflanze in einem Behältnis handelt. Diese Definition ließe vermuten, dass jede in einem Behälter gepflegte Pflanze ein Bonsai sei, was aber tatsächlich nicht der Fall ist. Spricht man von in der Schale kultivierten Pflanzen, meint man damit einen enormen Variantenreichtum von Spezies, von den Zimmerpflanzen zu den Kakteen, von den Orchideen zu den Gräsern, bis hin zu den Kübelpflanzen im Garten. Für die Kultivierung solch unterschiedlicher Spezies werden Behältnisse der unterschiedlichsten Art und verschiedenster Materialien hergestellt, von den Porzellanschalen bis zu Blumenschalen aus Holz.

Kommen wir zurück auf die Anfangs gestellte Frage: Was ist ein Bonsai? Eine angemessene Definition ist, dass es sich im ein pflanzliches Naturwesen handelt, das, unabhängig von seiner tatsächlichen Größe, in überschaubarer Grösse kultiviert wird, um an seine alten und reifen Verwandten in natürlicher Umgebung zu erinnern. Das Behältnis, in dem ein Bonsai kultiviert wird, betont dann sein Aussehen und seine evokative Kraft, wenn es in einem guten harmonischen Verhältnis zu dem in ihm wachsenden Exemplar steht.

Wie entscheidet man nun, welcher Typ, welche Größe, welche Farbe und welche Schalenform für das jeweilige Exemplar geeignet ist? Ein Bonsai ist nicht das Abbild eines Baumes in der Natur, sondern dessen Bild bestehend aus einem Baum in einer Schale. Keines der Elemente sollte das andere dabei dominieren. Ohne seine wesentliche Ergänzung, die Schale, kann ein Bonsai als solcher nicht verstanden werden. Unauflöslich durch die Notwendigkeit verbunden, bilden Bon und Sai eine Einheit, die sowohl die physischen als auch die ästhetischen Bedürfnisse des Baumes befriedigen soll. So ähnelt ihr Verhältnis dem von Rahmen und Gemälde. Die Auswahl eines solchen Elementes, die immer einen sehr subjektiven Charakter hat, sollte aber auch dem "Geist des Baumes" Rechnung tragen: Ist der Baum kräftig und wirkt mächtig, oder ist er zart und erscheint leicht, die Schale muss perfekt damit harmonieren. Die Breite und Länge der Äste sind ebenso wichtig wie die Höhe und Dicke des Stammes, aber auch die Farbe der Blüten und Früchte sowie die Rinde sind zu berücksichtigen.

Formen und Entwürfe

ein starker Baum ist der, der sich durch kräftige Äste  und einen mächtigen Stamm, eine raue Rinde und gut entwickelte und definierte Oberflächenwurzeln auszeichnet. Die Schalen dazu können aktiv oder passiv sein, je nach der Wirkung, die sie erzielen sollen. Es gibt Merkmale der visuellen Kraft einer Schale, die ihr eine aktive Rolle geben. Im Allgemeinen gilt, je mehr die Füße und Ränder ausgeprägt sind und auffallen. umso aktiver ist die Komponente Schale im Ensemble Bonsai. Passive Schalen sind in der Regel die, bei denen Füße und Rand sich wenig hervorheben, sondern eher Teilaspekte der Schalenseiten sind. Sie sind eher glatt, gerade oder leicht gewölbt.

1 Schalentypen

Die drei großen Kategorien, die alle Formen der hergestellten Schalen einschließen, sind: die runde, die ovale und die eckige Form. Außerdem können die Schalen mehr oder weniger tief sein. Von einigen Formen gibt es besondere Varianten, wie die Form einer Quittenblüte, die von der ovalen Form abgeleitet ist. Auch bei der Herstellung können zwei Hauptkategorien unterschieden werden: die Schalen aus Handarbeit, die besser aussehen und teurer sind, und die aus maschineller Serienproduktion, die natürlich preisgünstiger und für die Gestaltungsphase ausreichend sind.

1. 1 Runde Schalen

Runde Schale werden oft zur An- und Aufzucht verwendet. Aus ästhetischen Gründen sind sie für Bonsai nur begrenzt einsetzbar. Für Beistellpflanzen, Azaleen oder Bäume in Literatenform sind sie ideal geeignet. eine Variante der runden Schale ist die in Blütenform. Auch wenn der Boden der Schale rund ist, der obere Teil besteht aus einer Blütenblattform.

1. 2 Ovale Schalen

Die ovalen Schalen sind die gängigsten und eignen sich für fast alle Stilarten. Auch diese können von Hand oder maschinell hergestellt werden, aber der qualitative Unterschied ist enorm. Bei der manuellen Fertigung wird der Ton in einer ovalen Form geschnitten, um den Boden der Schale zu kreieren, wobei auf diesem ein Streifen, der den Rand bildet, aufgebracht wird. Ihre Herstellung nimmt mehr Zeit und Arbeitsgänge in Anspruch, weshalb die Schale relativ teuer ist. Die Schale in Form einer Quittenblüte ist eine Variante der ovalen Form.

1. 3 Rechteckige Schalen

Eckige Schalen, mit und ohne geschnittene Ecken und Kanten, lassen sich in quadratische und rechteckige unterteilen. Die Herstellung in Handarbeit ähnelt der der ovalen Schale, der Ton wird allerdings für den Rand extra geschnitten. Diese Arbeitsweise dauert länger, ist aufwendiger und der Preis daher höher. Die Herstellung in einer Form kostet nur etwa ein Zehntel des Preises der Handarbeit, aber auch hier ist der Qualitätsunterschied enorm. Eine Variante der quadratischen und rechteckigen Formen ist die mit geschnittenen Ecken. In diesem Fall müssen acht Seiten für die Schale präpariert werden, was natürlich den Preis erhöht. Weitere Varianten sind sechseckige Formen.

2 Die Tiefe der Schalen

Schalen können von nur wenigen Millimetern bis zu mehreren Dezimetern tief sein. Die Auswahl der richtigen Tiefe muss eher den Anforderungen der Kultivierung als den Vorstellungen des Gestalters folgen.

3 Handgeformte Schalen

Von der runden Form gibt es unendlich viele Varianten, wenn der Ton mit den Fingern ohne Töpferscheibe modelliert wird, dennoch ist es wichtig, die rustikale Schönheit ungeschliffener Extravaganz schätzen zu lernen.

4 Schalen aus Formen

Alle verbreiteten Formen der Serienproduktion werden mit  dieser Methode hergestellt. Auch hier gibt es eine manuelle Herstellung in der Serien gleicher Schalen in Gipsformen entstehen. Daneben werden kleine Schalen auch maschinell in Formen gepresst oder gegossen. Die Preise sind natürlich bescheidener, je weniger Arbeitszeit in einer Schale steckt. Im Hinblick auf die Qualität gibt es keinen Vergleich.

5 Handbemalte Schalen

Wenn unglasierte Schalen einzeln bemalt werden, unterscheiden sie sich natürlich voneinander. Hierbei entstehen authentische Meisterwerke der Malerei, die ihren Preis haben.

6 Farbe der Schalen

Was die Farben angeht, so unterteilen sich die Schalen in drei große Kategorien: Die unglasierten Schalen haben je nach dem verwendeten Ton verschiedene Farbtöne: grauer, grünlicher, gelber, schwarzer, violetter, roter Ton usw.; glasierte Schalen (die am meisten verbreitet sind) und bemalte Schalen.

6. 1 Unglasierte Schalen

Ihre Farben sind nicht so vielfältig verglichen mit den glasierten Schalen, weil die Farbnuancen einzig von der Art des verwendeten Tons abhängen (grau, grün, braun, gelb, violett usw.) Nach dem ersten Brennen werden diese Schalen noch einmal gebrannt, ohne Glasur aufzubringen. Gerade wegen ihres eher strengen Aussehens sind sie normalerweise für Koniferen geeignet. Sie können auch als Anzuchtschalen für junge Pflanzen oder Laub abwerfende Spezies in der Gestaltungsphase verwendet werden, aber sie harmonieren nicht so gut mit gestalteten oder reifen Exemplaren dieser Gattungen. Gerade bei Blüten- oder Fruchtbäumen treten die Exemplare wegen der Farbtöne der Schalen weniger hervor und die Gesamterscheinung  ist eher triste als lebhaft. Stellt man dagegen umgekehrt Koniferen in glasierte Schalen, geht die ruhige und ernste Atmosphäre verloren, die nun einmal zu ihnen gehört, und die Gesamtansicht wirkt oberflächlich und bizarr.

6. 2 Glasierte Schalen

Es gibt die unterschiedlichsten Farbtöne von Weiß, über Gelb und Orange bis Braun und Schwarz für jeden Geschmack und jede Anforderung. Für Koniferen werden sie normalerweise nicht verwendet.

6. 3 Bemalte Schalen

Bemalte Schalen (aus Porzellan) werden bei hohen Temperaturen gebrannt. Sie sind weniger porös, weshalb die Belüftung des Wurzelapparates eingeschränkter ist. Nach dem ersten Brennen werden sie je nach Unter- oder Aufglasurmalerei bemalt oder dekoriert und dann noch einmal gebrannt. (Möglichkeit eins: Als erstes kommt der Schrühbrand, Danach wird die Malerei aufgebracht und eventuell noch mit einer Transparentglasur überzogen, dann kommt der letzte Brand bei hohen Temperaturen. Möglichkeit zwei: Nach dem Schrühbrand wird eine opake Glasur aufgetragen und die Schale noch einmal hoch gebrannt, danach erst wird die Malerei aufgebracht und die Schale noch ein drittes Mal bei niedriger Temperatur gebrannt.) Da sie handbemalt sind, handelt es sich in der Regel um teure Schalen, sie sind aber für die Aufnahme der Bonsai unter Kultivierungsaspekten betrachtet nicht so sehr geeignet. Deshalb werden sie häufig nur für die Präsentation eines Baumes im Rahmen einer Schau oder Ausstellung verwendet, danach aber durch ein für die Gesunderhaltung des Wurzelapparates geeigneteres Behältnis ersetzt.

7  Verhältnis von Schale und Bonsai

Die richtige Antwort wäre, dass die Schale keine Hauptrolle ausfüllt, sondern den Bonsai, den sie aufnimmt, unterstützen soll. In anderen Worten, eine Schale sollte niemals die Präsenz des Baumes schmälern, sonst stellt sie das Gesamtwerk in Frage.

8  Eine gute Idee?

Viele Bonsailiebhaber würden gerne versuchen, die Schalen für die eigenen Bäume selbst herzustellen, und manche tun dies sogar. Die Vorstellung, eine in der Welt einzigartige Schale zu kreieren, ist sicherlich verführerisch, dieser Wunsch kann aber das Gesamtwerk gefährden. Bei dem Versuch, eine bestimmte Farbe oder Form zu schaffen, fertigt man leicht eine Schale mit einem zu auffälligen Charakter: ein zu stark hervortretender Rand, Kurven entlang der Ränder, dekorative Streifen, Dekor... - Erfindungen aller Art, die dazu dienen sollen, das Exemplar von allen bis dahin geschaffenen Schalen zu unterscheiden. Häufig wird daraus aber eine nur schwer zu verwendende Schale: Der zu stark betonte Charakter der Schale  mindert den des Bonsai, den sie aufnehmen soll. Es ist deshalb wichtig, nie die Rolle der Schale gegenüber dem Bonsai zu vergessen, den sie beherbergen soll.

 

 

Satsuki-Azalee, Höhe 10cm. Die Farbe der glasierten Schale passt sich harmonisch der Pflanze an (Blättern und Blüten): die rechteckige und eher  tiefe Schale unterstreichen den mächtigen Stamm angemessen.

Jap. Hainbuche (Carpinus japonica), Höhe 8 cm. Die strengen Farbnuancen der Blätter harmonieren gut mit der hell glasierten Schale.

Satsuki-Azalee, Höhe 10 cm. Die rechteckige Schale wertet den kräftigen Stamm mit seinem  auffälligen Charakter auf. Man achte auch auf die Farbe.

Satsuki-Azalee, Höhe 10 cm. Reduziert man das Düngen vor der Blüte, tritt das Weiß der Blüten stärker hervor.

Jap. Felsenbirne (Amelanchier asiatica), Höhe 14 cm. Die Farbe der Schale unterstreicht die der Früchte, die am Sommeranfang reifen, und macht das Ganze sehr harmonisch.

Satsuki-Azalee, Höhe 10 cm. Hervorragend der Kontrast zwischen der runden, purpurroten Schale und den weißen Blüten.

Gräserkomposition, Höhe 10 cm. Welche Wirkung auf das Gesamtwerk hat diese orange glasierte Schale? Gewagt, aber interessant.

Dornige Ölweide (Elaeagnus pungens), Höhe 12 cm. Die Wahl der gelben sechseckigen Schale, die die roten Früchte hervorhebt, ist optimal.

Dornige Ölweide (Elaegnus pungens). Höhe 8,5 cm. Auch diese Farbe der quadratischen Schale mit den geschnittenen Ecken passt gut zur Farbe der Früchte.

 

Satsuki-Azalee, Höhe 13 cm. Einkräftiger Kontrast.

Satsuki-Azalee, Höhe 12 cm. Eine blau glasierte Schale für diese großen und einfachen Blüten.

Satsuki-Azalee, Höhe 11 cm. Dies ist eine der auch bei uns verbreitetsten Varianten.

Satsuki-Azalee, Höhe 8 cm. Die eher tiefe Schale ist eine gute Wahl für einen so massiven Stamm, die Wahl der Farbe ist weniger glücklich.

Satsuki-Azalee, Höhe 10 cm. Die Varietät mit den kleinsten Blüten.

Satsuki-Azalee, Höhe 13 cm. Eine strenge, aber anmutige Zusammenstellung.

Satsuki-Azalee, Breite 13 cm. Weil er für einen Shoin-Bonsai zu groß gewesen wäre, wurde der Stamm gekappt. Die Narbe hat sich perfekt geschlossen.

Satsuki-Azalee, Höhe 8,5 cm. Die Färbung des Blütenrandes ist besonders intensiv.

Runde Schalen für jeden Geschmack. Kleine bis große Schalen in den unterschiedlichsten Farbnuancen, diese Schalen für Shohin-Bonsai sind allein zum Anschauen und Sammeln schon eine Freude.

Ovale und eckige Schalen. Mehr oder weniger tief geben diese Schalen in ihren unterschiedlichen Formen und Farben eine Antwort auf die verschiedensten Bedürfnisse.

Unglasierte Schalen. Grauer, brauner, grüner, roter Ton...Diese strengeren Töne begleiten die unterschiedlichsten und seltsamsten Formen.

Dieser Artikel wurde freundlicherweise von BONSAI ART zur Verfügung gestellt


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