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Takagi Nr. 1

Besuch des Takagi-Bonsai-Museums in Tokyo“.

So lautet die Überschrift eines wunderschönen, sehr emotionalen Berichtes von Michael Exner. (erschienen in Bonsai Art Heft Nr. 27) Ein Abschnitt des Berichtes beschreibt Herrn Takagi als einen leidenschaftlichen Schalensammler.



Original Text:
…Das Museum strahlt eine moderne Eleganz aus, in die traditionelle Elemente japanischer Innenarchitektur integriert sind.





Hier stößt man auch auf eine Leidenschaft, die für Herrn Takagi die Grundlage seiner Bonsaibegeisterung war: Bonsaischalen. Mit zehn Jahren begann er, sie zu sammeln, und nach sechzig Jahren hatte er über 4000 antike Stücke zusammengetragen. Darunter auch eine für die, wie er nicht ohne Stolz erzählte, die unglaubliche Summe von einhundert Millionen Yen (ca. 700.000, - €) bezahlt hatte. Diese und andere überwältigende Schalen und Suibans lagern fotografiert, katalogisiert und gut verpackt unter der Aufsicht von zwei Angestellten in einer eigenen Etage. Im Museum werden nur einige ausgewählte Stücke gezeigt.



Neben Bäumen und Schalen finden sich noch weitere interessante Gegenstände, wie z.B. ein würfelförmiger Holzkasten, in dem sich tausende beschriftete Holzstäbchen befinden. Dieser Kasten gehört Herrn Ito, einer wichtigen Figur in der Meiji-Restauration, der auf diesen Holzstäbchen die Pflegedaten seiner Bonsai aufs genaueste festhielt.
Doch nun genug geschwärmt von all diesen für Bonsaianer wunderbaren Dingen. Herr Takagi stellt sie nicht nur freimütig aus, sondern er plant und realisiert viele Dinge, die Bonsai in Japan und auch in Europa weiterbringen sollen. Er veranstaltet z.B. seit 5 Jahren einen hochdotierten Keramikwettbewerb, um die Entwicklung neuer Bonsaischalen anzuregen…
(Ende des Artikelausschnittes).

Seit 1993 finden so für uns Bonsai - Enthusiasten hochinteressante Ausstellungswettbewerbe statt.

Moderne Schalenkreationen in traditioneller Präsentation.

Eine einzigartige Ausstellung.
Die Stiftung zur Förderung der Japanischen Bonsaischalenkultur (Stifter ist Herr Takagi) hat im Takagi - Bonsaimuseum Tokio eine Ausstellung von Bonsai in modernen Schalen inszeniert, an der die Erneuerer der Töpferkunst beteiligt waren. Dazu wurden berühmte Bonsaimeister mit eigenen Bäumen und einem traditionellen Begleitelement eingeladen, ihre Bäume in einer Bonsaischale moderner Interpretation zu präsentieren. Die von den Meistern getroffenen Entscheidungen über die Pflanze, insbesondere deren Form und Größe, sind also von vorgegebenen Schalen bestimmt worden.

Auf der Jahresausstellung 2002 der Takagi - Stiftung konnten diese Schalen durch ihre Linienführung beeindrucken.



Erster Preis
Gestalter: Taiju Esaka; Thema: Besuch des Frühlings;
Baum: Jap. Perlschweif (Stachyurus praecox), Höhe 123 cm, Breite 93 cm,
Schale: Ken Mihara, Breite 28 cm Tiefe 25,5 cm, Höhe 22 cm,
Akzentpflanze: Adonisröschen (Adonis amurensis), Höhe 7 cm,
Schale: Takuji Imada, Breite 53 cm, Tiefe 29 cm Höhe 16 cm

Kommentar des Bonsaikünstlers
Ich habe mich für diesen Baum entschieden, um der Ankunft des Frühlings Ausdruck zu verleihen. Die weichen Linien des Baumes passen gut zu denen der Schale. Bei beiden Schalen habe ich darauf geachtet, keine Formen zu wiederholen.
Taiju Esaka



Zweiter Preis
Gestalter: Tomio Yamada
Thema: Temari,
Baum: Rundblättriger Baumwürger (Celastrus orbiculatus), Höhe 70 cm, Breite 60 cm,
Schale: Siroo Arai, Durchmesser 29 cm, Höhe 32,5 cm

Kommentar des Bonsaikünstlers
In eine Schale wie diese können nicht viele Spezies und Gestaltungsstile gepflanzt werden. Dennoch finde ich, dass dieser Celastrus perfekt mit ihr harmonisiert. Seine Früchte erinnern mich an das Temari, das traditionelle japanische Ballspiel.
Tomio Yamada



Dritter Preis
Gestalter:Masao Koide
Thema: Wasserlau
Baum: Jap. Aprikose (prunus mume), Höhe 60 cm, Breite 63 cm
Schale: Kazuoki Watanabe, Breite 36 cm, Tiefe 27 cm, Höhe 12,5 cm


Kommentar des Bonsaikünstlers
Diese Schale ist auf Grund ihrer geringen Stabilität für einen Bonsailiebhaber sehr schwer zu handhaben. Die Kurve dieses alten Baumes scheint wirklich sehr gut mit der Schale zu harmonieren. Um das Gesamtwerk zu stabilisieren, musste ich tatsächlich Steine als Gegengewicht in die Schale legen.
Masao Koide

 

Gestalter:Susumu Sudoo
Thema: Mondschatten,
Baum: Jap. Schwarzkiefer (Pinus thunbergiana), Höhe 80 cm, Breite 67 cm,
Schale: Sadamitsu Kataoka, Breite 41,5 cm, Tiefe 33,5 cm, Höhe 14 cm

Kommentar des Bonsaikünstlers
Die Absichten des Gestalters dieser Schale interpretierend, wollte ich das einfache Bild einer alten Kiefer darstellen, die sich müde zum Boden neigt, während sich der Schatten des Frühlingsmondes im Meer spiegelt. Die Schale zieht mehr Aufmerksamkeit auf sich, als ich mir zunächst vorstellen konnte. Ich hoffe, dass der liebliche Schwung des Stammes nicht in der welligen Form der Schale untergeht.
Susumu Sudoo



Gestalter: Chiharu Imai
Thema: Nische in einer großen Stadt,
Baum: Zelkove (Zelkove serrata), Höhe 37 cm,
Schale: Yosikichi Kamiya, Breite 9 cm, Tiefe 8,8 cm, Höhe 12 cm
Kommentar des -Bonsaikünstlers
Es handelt sich um eine Schale in traditioneller Form mit einer allerdings sehr modernen Textur. Ich habe mich für einen sehr auffälligen Baum entschieden, damit die Anziehungskraft der Schale nicht die Aufmerksamkeit vom Baum ablenkt. Ich wollte damit der Kraft des Lebens, die verborgen zwischen dem Beton einer großen Stadt überdauert, Ausdruck verleihen.
Chiharu Imai



Gestalter: Sidehiko Kanda
Thema: Lieblichkeit,
Baum: Ardisia crenata, Höhe 30 cm, Breite 8 cm,
Schale: Yuki Tanihiro, Breite 11 cm, Tiefe 9 cm, Höhe 11,5 cm

Kommentar des Bonsaikünstlers
Um dieses Schalenpaar zu bepflanzen, benötigt man Bäume oder Pflanzen mit sehr lieblichen Formen. Die Schalen ähneln Binsenkörben, wie sie für das Tragen von Blumen verwendet werden.
Sidehiko Kanda



Gestalter: Tomio Yamada
Thema: Frühlingslicht,
Baum: Scheinquitte (Chaenomeles speciosa) Höhe 47 cm, Breite 72 cm,
Schale: Taeko Hiraga, Breite 45 cm, Tiefe 31 cm, Höhe 11,5 cm

Kommentar des Bonsaikünstlers
Ich weiß nicht warum, aber als ich die Farbe der Schale sah, suggerierte sie mir das milde Licht im Frühling. Dies ist das Hauptmotiv dieser Komposition.
Tomio Yamyda



Gestalter: Hideo Susuki
Thema: Anker los!
Baum: Jap. Mädchenkiefer (Pinus parviflora), Höhe 57 cm, Breite 53 cm,
Schale: Daika Kawakami, Breite 43 cm, Tiefe 23 cm , Höhe 9 cm

Kommentar des Bonsaikünstlers
Für einen Bonsai-Gestalter ist diese Schale wirklich eine Herausforderung. Ihre Linien erinnern an ein Schiff. Mit der lieblichen Bewegung der Kiefer wollte ich dem langsamen Auslaufen eines Schiffes in die ruhige See Ausdruck geben.
Hideo Susuki



Gestalter: Hideo Ishii
Thema: Ankunft einer schönen Jahreszeit,
Baum: Winterjasmin (Jasminum nudiflorum), Höhe 45 cm, Breite 47 cm,
Schale: Chio Kurooka, Durchmesser 34,5 cm, Höhe 10,5 cm

Kommentar des Bonsaikünstlers
Als ich diese Schale mit ihrer einfachen, weichen Form und so klaren Tönen sah, dachte ich zuerst daran, sie für das Pflanzen eines zarten Grases zu verwenden. Als Symbol des Frühlingsbeginns habe ich mich dann aber für diesen Jasmin entschieden.
Hideo Ishii



Gestalter: Kenichi Abe
Thema: Brise im Wald,
Baum: Jap. Mädchenkiefer (Pinus parviflora), Höhe 50 cm, Breite 75 cm,
Schale: Yuuji Nakano, Breite 47 cm, Tiefe 44,5 cm, Höhe 12 cm

Kommentar des Bonsaikünstlers
Diese Schale ist nicht leicht zu bepflanzen. Der Rhythmus der Zeichnung betont die Bewegung nach rechts, weshalb sich auch der Baum zur selben Seite bewegen sollte. Da die quadratische Form gleichzeitig Kraft ausdrückt, habe ich mich für eine Kiefer entschieden.
Kenichi Abe



Gestalter: Susumu Sudoo
Thema: Frühlingsspiele,
Baum: Scheinquitte (Chaenomeles speciosa), Höhe 26 cm, Breite 50 cm,
Schale: Shin Kataoka, Breite 51 cm, Tiefe 33 cm, Höhe 11,5 cm

Kommentar des Bonsaikünstlers
Es handelt sich um eine ovale Schale in einem sehr modernen Stil. Ich dachte, ein kräftiger Baum würde sich nicht sehr gut darin machen. Ich habe mich bemüht, künstliche Formen zu vermeiden und einen Baum mit sehr ungezwungenem Habitus gepflanzt.
Susumu Sudoo

Erste Artikel „Ausschnitt“ Michael Exner, Chefredakteur BONSAI ART
Fotos im „Ausschnitt“ Michael Kros, Herausgeber BONSAI ART
Alle anderen Fotos und Text aus Heft Nr. 27, 52 und 80 erschienen bei BONSAI ART.
Mit freundlicher Genehmigung von BONSAI ART.


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