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Träume im Stein Nr. 2

TRÄUME IM STEIN Nr. 2

Willi und Gudrun Benz

Werden Suiseki in Suiban präsentiert oder ausgestellt, dann ist es wichtig, daß sie unterhalb der Augenhöhe in einem Regal, auf einem Tisch oder im Tokonoma stehen, damit man in die Schale hineinschauen kann und damit die erstrebte Weite der Ebene oder des Ozeans sichtbar wird. Wird dies nicht beachtet, so geht der ganze Symbolgehalt der Präsentation verloren.
Dagegen habe ich schon oft erlebt, daß mit Dai ausgestattete Suiseki auch im asiatischen Raum zu niedrig ausgestellt wurden. Ein Bonsaitisch mit hohen Beinen bringt die Suiseki zwar nicht in Augenhöhe, aber sie sind für den Betrachter schon wesentlich besser platziert. Gerade solche Suiseki sollten unter einem Betrachtungswinkel von 10°…20° angesehen werden.



Suiseki mit Dai sollten unter einem Blickwinkel zwischen 0° und 20° angesehen werden, damit man die Suggestivwirkung des Steins richtig erfassen kann.
Neben der zuvor erwähnten Art Suiseki zu präsentieren, gibt es noch die selten angewandte Möglichkeit, Suiseki in eine mit verschiedenen niederen Moosarten ausgekleideten Schale zu stellen, ähnlich einem japanischen Moosgarten. Als weitere Variante kann man Teile der Schalenbodenfläche mit Moos bedecken, während der Rest des Schalenbodens mit einem farblich zum Moos passenden Granulat ausgelegt wird.



Blick in einen einfachen Tokonoma mit einem Rollbild im Hintergrund.

Maße von Bronze - und Keramikschalen (japanisch: Suiban)
Suiban sind wasserdichte Keramik – und Bronzeschalen zur Präsentation von Suiseki. Alle Maße sind in Zentimeter angegeben. Bei den Höhenmaßen sind die Schalenfüße mit in die Höhe einbezogen.



Maßhinweise für rechteckige Suiban. Für ovale Suiban gibt man auch die Maße für dieLänge l, die Breite b und Höhe h in ähnlicher Weise an.

a) Keramikschalen





b) Bronzeschalen





Die Höhe der Schalenfüße liegt zwischen 3 mm und 10 mm. Bei der Wahl der Schale (Suiban) sollte das Verhältnis von Höhe des Steins zur Höhe des Schalenrandes etwa 4 zu 1 bis 10 zu 1 betragen; d.h. der Stein ist 4- bis 10- mal höher als der Schalenrand.
Für das Längenverhältnis von Suiban zu Stein gilt 2 zu 1 bis etwa 2,5 zu 1.
Wird die Schale auf einen Tisch oder ein Bord gestellt, dann sollte das Höhenverhältnis von Tisch zu Suiseki bei etwa 2 zu 1 bis 8 zu 1 liegen; d.h. der Tisch ist etwa 2 bis 8 mal höher als der Suiseki. Die Tischlänge richtet sich nach der Schalenlänge.
Ideal st ein Längenverhältnis von Tisch zu Schale von 1,5 zu 1 bis 2 zu 1.



Bei der Wahl eines Tisches richtet sich die Länge des Tisches nach der Länge der Suisekischale. Der Tisch sollte ungefähr 1,5- bis 2- mal länger sein als die Schale.

Wird eine Schale auf eine Reisigmatte oder ein Wurzelholzbrett gestellt, dann sollte die Reisigmatte oder das Brett mindestens 15% bis 30% größer als die Schale sein.



Die großen, nur mit Granulat gefüllten Flächen um den Stein vermitteln uns den Eindruck einer großen Weite (Collection of Ryuseki Nakayama). Der Stein gehört nach der Klassifikation zu den Slope stones.

Noch einige schöne Beispiele.



„Black is beautiful“ ist ein guter Name für diesen tiefschwarzen Stein mit einem Farbstich ins Blaue. Der bei Padang auf West-Sumatra gefundene Stein steht in einem Suiban von Peter Krebs. Steine aus dieser Gegend sind für ihre gute Qualität bekannt und werden von Koreanern, Taiwanesen und Japanern sehr geschätzt. Maße: 26cm x 14 cm x 20 cm.



Der 19 cm breite Wasserbeckenstein wurde in Java gefunden. Der Krebs an seiner Seite suggeriert Wasser selbst dann, wenn der Stein nicht mit Wasser gefüllt ist.



Die „Insel der tausend Blumen“ liegt in einem von Peter Krebs gefertigten Suiban (Keramikschale). Der Stein wurde im Roten Fluß (Südchina) in 20 m Tiefe gefunden.
Maße: 38 cm x 15 cm x 18 cm.



“Causse Noire” ist ebenfalls ein Stein aus Ligurien, Italien. Er liegt in einem von Peter Krebs gefertigten Suiban. Maße: 36 cm x 10 cm x 8 cm.



„Grüne Insel der tausend Höhlen“. Die Bezeichnung „tausend“ ist in vielen Gegenden Asiens gleichbedeutend mit „viel“. Es ist ein Inselstein aus Serpentin von sehr guter Qualität in einem Suiban aus Tokonome, Japan. Fundort: Sumatra; Maße: 33 cm x 22 cm x 14 cm.

Hier noch einige schöne Doban.



„Heiliger Batursee“ (Bali) ist ein Landschaftsstein von ausgezeichneter Qualität. Die Vertiefung im Stein kann mit Wasser gefüllt werden und symbolisiert den heiligen See. Der Stein liegt in einem alten japanischen Doban. Maße: 23 cm x 16 cm x 10 cm.



Ein besonders schöner schwarzer Stein mit braunen Zeichnungen in einem mit weißem Granulat gefüllten Suiban aus Bronze. Solche edle Bronzeschalen werden in der Regel auch nur für „edle Steine“ verwendet. Man beachte den kleinen Tunnel unten etwas rechts von der Mitte (Sammlung Paiman/Jakarta).



„Wasser des Lebens“ beschreibt diesen Wasserbeckenstein in einem koreanischen Doban (Bronzeschale) in idealer Weise. Der Stein stammt aus Sumatra. Maße: 20 cm x 15 cm x 9 cm.

Text und Foto von Willi Benz
Auszüge aus seinen Büchern „Suiseki“ und „Asiatische Kunst mit schoenen Steinen“.





Diese beiden Bücher sind über den Verlag von WILLI BENZ zu beziehen.


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