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Trocknen und Brennen

Trocknen einer Schale.

 

Nach dem Töpfern einer Schale muss das noch in der nassen Schale vorhandene Wasser entfernt werden. Ein falscher Trocknungsprozess kann sowohl beim Trocknen als auch beim nachfolgenden Schrühbrand die Schale schon zerstören.

 

 

Mechanisch gebundenes Wasser füllt die Zwischenräume der einzelnen Tonblättchen (das macht den Ton homogen, die Tonblättchen schwimmen). 

                                                     

 

Physikalisch-chemisch gebundenes Wasser umhüllt die Tonblättchen mit einer dünnen Oberfläche. Dieses Wasser entweicht erst nach längerem Trocknen (die Tonblättchen rücken näher zusammen).

 

Chemisch gebundenes Wasser kann durch eine Trocknung nicht entfernt werden. Erst bei einer Brenntemperatur von 500 Grad wird auch dieses Wasser entfernt (dieTonblättchen sind ganz zusammengerückt).

 

Das Trocknen einer Schale ist sehr individuell und hängt von sehr vielen Faktoren ab, z.B. feuchtes oder trockenes Wetter, Sommer oder Winter, Wind oder Windstille, warm oder kalt. All diese Faktoren verändern auch im Haus die Trocknungsbedingungen. So muss jeder Schalentöpfer seine ihm eigene Trocknungstechnik herausfinden. Schalen, die schon getöpfert  und gut ausgetrocknet, aber nicht gebrannt sind, nennt man GRÜNE WARE“.

 

Brennen einer Schale.

 

SCHRÜHBRAND“ ist der erste Vorbereitungsbrand für noch rohe und unglasierte Ware. Dieser Brand findet bei ca. 800 bis 900 Grad statt.

 

TERRAKOTTA - (aus dem italienischen, terra cotta - gebrannte Erde) die Brenntemperatur liegt bei ca. 800 bis 950 Grad. Bei diesen Temperaturen werden z.B. Kaminrohre, Ziegelsteine und Blumentöpfe hergestellt. Eine große Anzahl von Töpferware wird so gebrannt, z.B. überwiegend im Mittelmeerraum und in Afrika. Vorteil ist der niedrige Rohstoffpreis, niedrig und einmaliges Brennen und die Porosität des Scherbens, was für Pflanzgefäße  von besonderem Vorteil ist. NACHTEIL für Bonsaischalen ist das Ausblühen Kalk usw., das Handling ,hohe Buchgefahr und nicht frostfest (sichtbare und hohe Porosität).

 

STEINGUT - die Brenntemperaturen schwanken zwischen 900 bis 1100 Grad (Hartsteingut steht je nach Tonsorte und der Brenntemperatur dem Steinzeug sehr nahe, meist werden asiatische Bonsaischalen so gebrannt). Steingut wird fast immer glasiert, entweder für den täglichen Gebrauch oder um es wasserundurchlässig zu machen. Es gibt sehr schöne Steingutglasuren.

VORTEIL - das Brennen ist noch relativ preiswert, die Porosität des Scherbens ist nur noch gering, aber für Bonsai noch vorteilhaft. Nachteil - nur bedingt frostfest, nicht so stoßfest, eventuell Ausblühungen von Kalk usw.

 

STEINZEUG - die Brenntemperaturen schwanken zwischen 1200 und 1300 Grad (Feinsteinzeug bei ca. 1300 Grad gebrannt steht dem Porzellan schon sehr nahe). Artikel aus Grobsteinzeug sind unter anderem  Kanalisationsröhren, Sanitäreinrichtungen, Kacheln, Gefäße und Schalen. Steinzeug ist glashart gesintert und frostfest. Viele europäische  Schalenkeramiker benutzen diese Brenntechnik. Bei ca. 1250 Grad entstehen die schönsten  Schalenglasuren.

VORTEIL - die Schalen sind absolut frostfest, das Handling ist optimal , keine große Bruchgefahr, sehr schöne Glasuren, kein Ausblühen, schöne Oberflächenpatina.

Nachteil: die Schalen sind durch sehr hohe Brennkosten teurer. Als Pflanzgefäße für Bonsai sind sie nicht ganz optimal. Aber die gute Optik der Oberfläche, das hervorragende Handling und die Frostfestigkeit sollten bei der Schalenauswahl Vorrang haben.

 

PORZELLAN - die Brenntemperaturen schwanken zwischen 1280 und 1500 Grad  (Weichporzellan z.B. asiatisches, englisches Knochenporzellan und Frittenporzellan bis 1300 Grad. Europäisches Hartporzellan wird bei ca. 1350 bis 1500 Grad gebrannt.) Als Wiege des Porzellans wird China benannt. Nach Europa gelangte es während der Kreuzzüge über Palästina. Marco Polo brachte das chinesische Porzellan ca. 1295 nach Europa. (siehe auch in der Rubrik „Weißes Gold“ auf dieser Webseite)

VORTEIL - die Schalen sind absolut frostfest, Handling recht gut, Glasuren leuchtend, keinerlei Ausblühungen. Für Beistellerbonsai oftmals sehr schöner Kontrast zur Hauptpflanze.

NACHTEIL - Porzellanschalen sind nur bedingt für Bonsai zu nutzen, sie sind durch ihre optische Feinheit zu feminin. Als Pflanzgefäß sind sie nicht so gut geeignet, weil keine Porosität vorhanden. Trotz allem gibt es sehr interessante Beispiele in der Kombination Porzellanschale und Bonsai, wie folgende Beispiele mit Mame-Bonsai zeigen.

 

 

 

 

 

 

 

Peter Krebs

 

Zeichnungen: Peter Krebs

Fotos wurden freundlicherweise von BONSAI ART zur Verfügung gestellt.


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