Diese Seite drucken

Yuzan Fujikake

Porträt eines modernen Kunsttöpfers

 

 

Yuzan Fujikake, alle Bonsai-Liebhaber kennen ihn, ist ein berühmter Töpfermeister im Bereich handgemachter Bonsaischalen. Er gestaltet auf künstlerischer Weise sowohl ausgezeichnete Shohinschalen als auch große Schalen und ist über die Generationsgrenzen geachtet. Bonsaischalen von Fujikake sind besonders sorgfältig gearbeitet und oft prachtvoll bemalt. Seine Werke zeichnen sich vor allem durch die mit viel Feingefühl  ausgeführte Maltechnik  und seinen Einfallsreichtum aus. Im Folgenden wollen wir die Kunst von Yuzan Fujikake näher vorstellen.

 

 

Denbutsugakuiri-gosai-sansuizu-chohoubachi (viereckig) 12 cm x 9 cm x 4 cm  Derart fein bemalte Bonsaischalen sind Meisterwerke.

 

 

Akae-sansuzu-daenbachi (oval) 13,5 cm x 11,5 cm x 5 cm

 

 

Akae-sansuizu-daenbachi (oval) 13,5 cm x 11,5 cm x 5 cm

 

Unter Bonsai-Liebhabern sind die Werke von Yuzan Fujikake, der mit einem Schlag berühmt wurde, sehr begehrte Objekte. Viele träumen davon, eine Schale von Yuzan Fujikake ihr eigen nennen zu dürfen. Fujikake nutzt sein Talent vielfältig und stellt außer Bonsaischalen  auch Teller, Vasen und Töpfe her. Sein Name ist deshalb nicht nur unter Bonsai-Liebhabern ein Begriff.

Über die Jahre hinweg nimmt  die Kunstfertigkeit eines Künstlers zu, und die Werke aus den Anfangszeiten eines Künstlers sehen oft unreif und amateurhaft aus. Es kommt häufig vor, dass die Werke aus den Anfangszeiten eines Töpfermeisters nicht mehr existieren, wodurch die Entwicklung seiner Fertigkeiten in den Jahren nicht mehr nachvollzogen werden kann. Glücklicherweise hat Yuzan Fujikake einige wenige seiner Werke aus seiner Anfangszeit behalten. Nach über 30 Jahren verkörpern diese Schalen ein Stück Geschichte. In den Farben und auf den Oberflächen spiegelt sich die Zeit wider.

Eine Bonsaischale ist besonders bemerkenswert und stammt noch aus seiner Amateurzeit. Bedauerlicherweise hat die Schale einen Riss, verursacht durch das starke Wurzelwachstum eines Baumes. Übrigens, diese Mini-Bonsaischale wurde in Form einer Gosai-Schale hergestellt und ist nicht bemalt. Diese und weitere Schalen sind im Cafe Dosenbo“ ausgestellt und können dort besichtigt werden.

 

Mini-Bonsai- 

Erst Keramik, danach Porzellan

 

Die Töpferei von Yuzan Fujikake findet man im Cafe „Dosenbo“, das er selber betreibt. „Dosenbo“ ist der Name einer speziellen Tonsorte, die in Kyoto und Umgebung abgebaut wird. Der Ton enthält einen hohen Sandanteil und wird aufgrund seiner Feuerfestigkeit oft als Innenverkleidung oder als Reparaturmaterial für defekte Brennöfen verwendet. Dieser Ton wird alleine nur selten für Töpferwaren benutzt. Gemischt mit anderen Tonsorten entfaltet er allerdings spezielle Eigenschaften. Er verhindert etwa ein zu starkes Schrumpfen  durch den Brand  und verleiht dem Werkstück  eine spezielle Oberfläche. Fujikake hat sein Cafe den Namen „Dosenbo“ entsprechend seinem Wahlspruch „Ich möchte immer bescheiden wie dieser Ton bleiben“ gegeben. Denn diese wenig edle Tonsorte taugt nicht für prestigeträchtige Kunstwerke.

 

 

Sentsuki-sansuizu-chohoubachi (viereckig) 14,5 cm x 11,5 cm x 5 cm.

 

Bereits vor über 35 Jahren hat Fujikake mit der Töpferei begonnen. Das war noch bevor Bonsai kommerziell kultiviert und auf dem Kunstmarkt gehandelt wurden. Er pflegt selbst Bonsai und begann Bonsaischalen für den Eigengebrauch  herzustellen und zu gestalten. Zu diesem Zeitpunkt besaß er nur einen kleinen Brennofen und konnte nur kleine Schalen herstellen. Nach der Anschaffung eines großen Brenn ofens produziert und gestaltet er bis zum heutigen Tage kleine, mittlere und große Bonsaischalen aus Keramik und Porzellan. Auf einer Ausstellung des japanischen  Bonsai-Vereins “Kiriyu“ wurden seine Bonsaischalen zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Dort fielen sie Herrn Zeiko Nakamura auf, der sich sofort in die Schalen von Yuzan Fujikake verliebte und sein ganzes Angebot auf einen Schlag kaufte. Nach diesem Ereignis entschied sich Fujikake  fortan  als professioneller Töpfer zu arbeiten. Dies war die Geburtsstunde des Kunsttöpfermeisters.                                         

 

6 Sentsuki-sansuizu-marubachi (rund) 12,5 cm x cm

 

     

Wenn man an Fujikake denkt, fallen einem sofort seine bemalten Bonsaischalen ein. „Bevor ich Töpfer wurde, wollte ich immer Maler werden. Ich habe mit dem Bemalen von Bonsaischalen begonnen, weil ich unbedingt auf den Schalen, die ich für mich selbst hergestellt habe, malen wollte.“ Es war also ein ganz natürlicher Prozess, dass er heutzutage seine Bonsaischalen bemalt. Alle, die seine Werke kennen sind überzeugt, dass er diese Kunst auf außerordentliche Weise beherrscht.

 

Selbstvertrauen und Eigenart

Yuzan Fujikake arbeitet seine Schalen besonders sorgfältig aus. Die bemalten Schalenwände und ihre ebenfalls bemalten Böden und Füße fügen sich zu einem perfekten und harmonischen Bild zusammen. „Es ist sehr schwierig, Bonsaischalen zu gestalten und zu bemalen. Bonsai-Liebhaber haben umfangreiche Kenntnisse und ein geschultes Auge für Harmonie. Sie kaufen deshalb keine schlecht gemachten Schalen. Ich kultiviere selber Bonsai und glaube deshalb zu verstehen, warum Bonsai-Liebhaber die Schalen mögen, die ich auch für meine Bonsai benutze“ sagt Fujikake.

Obwohl er sein Handwerk autodidaktisch erlernt hat, haben langjährige Erfahrungen sein Selbstvertrauen gestärkt. Ein Beispiel dafür ist die Herstellungsweise seiner Bonsaischalen. Runde Schalen entstehen auf einer herkömmlichen Töpferscheibe. Seine viereckigen Schalen sind allerdings geschnitzt. (Die Form wird durch Aushöhlen eines Tonklumpens hergestellt.) „Für die Verarbeitung von Porzellan ist die Schnitztechnik am besten geeignet. Schalen können auch mit der Tatara-Technik hergestellt werden. Sie hat aber den Nachteil, dass, wenn die so hergestellten Schalen in kalten Wintern gefrieren, diese manchmal zerstört werden.“ (Tatara ist der Name einer Herstellungstechnik. Dazu wird eine Form hergestellt, über die der Ton aufgebaut und die Schale ausgeformt wird). Yuzan Fujikake verwendet eine sehr zeitintensive Schnitztechnik, um nur optimale Schalen herzustellen.

Zusätzlich zeichnen sich seine Werke durch Einfallsreichtum aus. So ist der Schalenboden auf der Innenseite mit Mustern versehen, in denen sich die Wurzeln der Bonsai verhaken können, was dem Baum mehr Stabilität verleiht. Darüber hinaus glasiert er seine Kunstwerke nur ganz dünn und brennt sie nur mit 90% der Temperatur, die normalerweise bei der Porzellanherstellung verwendet wird. (1300°C). Durch diese Technik vermittelt sein Porzellan den Eindruck von Zeitlosigkeit. Fujikake verrichtet scheinbar alltägliche Arbeit, aber die von ihm verwendeten Techniken kosten viel Arbeit und Mühe.

 

Handwerk wird Kunst

Alle Handwerker haben ihren eigenen Rhythmus. Yuzan Fujikakes Rhythmus ist gleichmäßig und fließend. Diesen Rhythmus kann man mit allen Sinnen wahrnehmen. Die Ausführung seiner handwerklichen  Techniken berührt uns. Die Arbeit von Fujikake ist dynamisch und schön zugleich. Sieht man ihm bei der Arbeit zu, kann man den Blick kaum von seinen Händen abwenden. Zuerst schätzt er die Menge des Tons ab, die er benötigt, um die gewünschte Schalengröße herzustellen. Danach gestaltet er die Form der Bonsaischale  und höhlt den Tonbatzen aus. Nach dem Trocknen wird die Schale bemalt, glasiert und gebrannt. „Auch wenn ich mir viel Mühe gebe, kann ich in einem Monat nicht mehr als 10 Schalen herstellen“ sagt er. Denn nur für das Aushöhlen einer Schale braucht er einen ganzen Tag und das Bemalen nimmt auch viel Zeit in Anspruch.

Das Schnitzen ist wie das Gestalten einer Skulptur. Der Ton ist am Anfang amorph, erst durch seine Hände verwandelt er sich in die Form einer Schale. Die Qualität des Werkes hängt von der Technik und von der künstlerischen Leistung des Handwerkers ab. „Ich benutze weder Schablone noch Lineal. Es ist besser, wenn die Größen der Schale variieren. Es ist ein Zeichen der handwerklichen Fertigung.“ Er lacht, als tue er nichts Besonderes. Solch raffinierte Bonsaischalen können jedoch nicht anders als durch langjährig geübte handwerkliche Technik und künstlerisches Talent entstehen.

 

 

Der geschnitzte Boden einer Schale: Yuzan Fujikake verwendet viel Mühe auf Schalenteile,   auf die wahrscheinlich  nur wenige einen Blick werfen. Diese Sorgfalt  unterscheidet ihn von anderen Töpfern.

Es gibt sicher viele Bonsai-Liebhaber die bereits die Erfahrung gemacht haben, dass die Form eines Bonsais nicht mit der Form einer Schale harmoniert. Die Bonsaischalen von Yuzan Fujikake  passen zu Bonsai, die nach rechts oder nach links ausgerichtet sind.

 

 

Sentsuki-sansuizu-chohoubachi (viereckig) 11 cm x 9 cm x 4 cm.

Diese Schale ist für einen Baum mit Linksneigung geeignet.

 

 

Sentsuki-sansuizu-chohoubachi  (viereckig) 11 cm x 9 cm x 4 cm.

Diese Schale ist für einen Baum mit Rechtsauslage gedacht.

 

Hier einige Fotos aus seinem handwerklichen Schaffen.

 

 

Der Rand wird mit dem Messer horizontal geschnitten.

 

 

Die Innenseite wird ausgehöhlt.

 

 

Die Dicke der Wand wird von der Innenseite festgelegt.

 

 

Danach wird die Innenseite verfeinert und der Boden begradigt.

 

 

Die Außenseite und die Seiten werden begradigt, die Dicke der Wände steht nun fest.

 

 

Mit selbst entwickelten Werkzeugen definiert er die Rundung der Außenseite.

 

 

So entsteht die Rundung der Außenseite.

 

So wird die Schale dünn bemalt. Diese Tätigkeit wird auch „Dami“ genannt und erfordert eine sehr hohe Konzentration.

 

 

Dieser Artikel wurde freundlicherweise  von BONSAI ART zur Verfügung gestellt 

                                                                                                                                                                                          

 


Previous page: Bunzan Echisen
Nächste Seite: Yixing Töpferei