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Blaue Dekor Schalen Nr. 3

Blaue Dekor Schalen 3

 

Kantonesische Schalen (China) sind berühmt für ihre Blau- und Grünglasuren. Diese Töpfereien haben ihren Sitz in Kuangchou in der Provinz Kwang-tung.

 

 

 

 

 

Bei den hier gezeigten Schalen handelt es sich auch wie in Blaudekor 1+2 um blau glasierte Schalen. Die Glasuren haben einen sehr hohen Fließwert, zu sehen an den vielen Glasurnasen rund um die Schale. Wird die Glasur zu dick aufgetragen, läuft oder tropft sie ab beziehungsweise läuft oder tropft sie auf im Ofen weiter unten stehende Schalen.

 

 

 

 

Natürlich wäre es für chinesische Töpfer ein leichtes gewesen, Glasuren einzudicken oder mit einem geringeren Fließwert herzustellen. Also muss es irgendeinen Grund gegeben haben, weshalb sie so ein hohes Risiko mit einer so leicht abfließenden Glasur eingegangen sind. An fast allen Schalen sind Schleifspuren von abgetropften Glasuren zu sehen. Interessant ist es jetzt in Anbetracht dieser Fragen die Schalen weiter zu erforschen.

 

 

 

 

 Das Geheimnis der leicht fließenden Glasur liegt aber bei genauer Betrachtung ganz offenkundig. So simpel wie es ist, so genial ist es auch gleichzeitig. Fast neunzig Prozent der blau glasierten Schalen sind mit floralen oder figürlichen Motiven verziert - und hierin liegt das Geheimnis.

 

 

 

 

Glasur mit hohem Fließwert fließt leicht an Kanten, Rillen oder modellierten Erhöhungen ab. Durch diesen Laufeffekt entstehen unterschiedlich starke Glasurdicken. Wo die Glasur abgelaufen ist, ist sie hell, mitunter transparent, so dass der weiße Ton darunter zum Vorschein kommt. Dort, wo mehr Glasur hingelaufen ist, ist sie dunkelblau. Durch diesen hell - dunklen Effekt entsteht ein sehr plastisches Bild. Versuche an meinen getöpferten Schalen  mit streng fließender Glasur haben gezeigt, dass unter solchen Glasuren aufmodellierte Bilder teilweise oder ganz verschwinden.

 

 

Leider sind viele chinesische Glasur- und Töpfergeheimnisse im Zeitalter der industriellen Anpassung versunken.

 

 

 

Zur Form der hier vorgestellten Schalen wäre noch zu sagen, dass sie alle aus einer Serie oder Massenherstellung stammen. Sie sind, salopp gesagt, sehr ursprünglich, leicht asymmetrisch, mit unterschiedlichen Wandstärken, durch Stapeln beim Trocknen und Brennen leicht verzogen. Der erste Eindruck - fast derb. Aber im Vergleich zur heutigen symmetrischen und maschinellen Massenherstellung haben sie ein fast unnachahmliches Flair, ja schon fast wieder Schönheit. Durch diese Herstellung bleibt jedes Stück, egal wie hoch die Stückzahl war, ein Unikat in Form und Glasur. Darin liegt das ganze Geheimnis der auch heute noch gültigen Gesetze von Schalenästhetik.

 

Peter Krebs

 

Meinen ganz besonderen Dank an BONSAI ART zur Verfügungstellung der Fotos

 

Beispiel:

auf das florale Muster dieser Schale wurde eine dicke, opake Glasur aufgetragen, sodaß die Plastizität des Musters fast verscwindet.

 

Foto: Maximilian Engels 


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