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Erde und Feuer-Dekorschalen

Gehört Keramik zur Kunst oder zum Kunsthandwerk?

Diese Frage stellt sich natürlich auch in der Bonsaikeramik. Wenn ein Keramiker versucht sich selbst in seiner Arbeit auszudrücken, glaube ich, gehört sie sehr wohl zur Kunst. Es ist dann eine künstlerische Tätigkeit, wenn die Stücke ohne Formen mit der Hand getöpfert werden.

Die Handtöpferei verlangt vom Künstler einerseits eine hohe Fingerfertigkeit, gute Materialkenntnisse und ein hohes ästhetisches Empfinden. Anderseits muss der Töpfer, speziell in der Schalentöpferei, sich dem Natürlichen unterordnen.
In der Gefäßkeramik hatten und haben die Töpfer seit Jahrtausenden allerhöchste persönliche Freiheiten. In der Schalentöpferei ist das etwas anders. Hier muss der Töpfer versuchen die Balance zu halten zwischen Natur (Baum) und Kunst (Schale).

 

Diese Schale stammt aus der Töpferstadt  „FUSHAN“, China. Sie wurde mit für diese Stadt typischen Ornamenten verziert. Die Aufbautechnik der Schale besteht aus einzelnen Teilen (Plattentechnik). Der obere Rand steht außen und innen über, und auch die Füße der Schale wurden einzeln gefertigt und montiert. Auf allen vier Seiten der Schale sind reichhaltige Bildspiegel zu sehen. Alle Motive sind handmodelliert und zeigen ein verspieltes Blumendekor. Die handaufgetragene Glasur besteht aus vier aufeinander abgestimmten Farbtönen, Nachtblau, Flaschengrün, Beige und Braun. Die Gebrauchsspuren von ca. 120 Jahren geben der Schale die „Seele“ und lassen sie zum unnachahmlichen Solitär werden.
Größe der Schale: 46 cm x 27 cm x 14 cm.



Dies ist eine ausdrucksstarke Blau-Weiß-Keramik (kein Porzellan). Ein dick, plastisch aufgearbeitetes florales Band ziert dominierend mittig den ganzen Schalenkörper. Die blaue Glasur hebt die Plastizität der handgeformten Schale noch deutlicher hervor. Von dieser Art aus „FUSHAN“, China stammenden Schale gibt es nur noch wenige Stücke. Das Alter der Schale könnte ungefähr 200 Jahre betragen.



Auch diese Schale trägt ein üppiges Dekor. Spielende Hunde in einer symbolisch dargestellten Gartenlandschaft wurden noch zusätzlich in einem Bildrahmen eingefaßt. In den vier Ecken der achteckigen Schale wurden Glücks- und Langlebigkeits-Symbole eigearbeitet.  Zum Schluss wurde die Schale mit einem schwarzen Engoben-, Glasur-Gemisch überzogen. Nach dem Brand bekam sie ein fast metallisches Aussehen.


Diese außergewöhnliche Schale zeigt, dass auch vor relativ kurzer Zeit (50-60 Jahre) noch Schalen mit üppigem Dekor getöpfert wurden, und die auch noch sehr gefragt waren.. Dies ist wohl eine der ausgefallensten Schalen, die ich je gesehen habe. Zuerst habe ich das Motiv nicht verstanden und war in der Annahme, dass es sich hier um das Aufbringen irgendwelcher Ton Reste handelt. Bei näherem Hinschauen aber entdeckt man, dass es sich hier um eine nachgebildete Baumscheibe handelt, und zwar um eine Kiefer. Deutlich zu sehen am äußeren linken Schalenrand, ein Kiefernzweig, der sich nach rechts ausstreckt. Die kleinen halbrunden Gebilde über dem Ast stellen Nadelbüschel dar.
Maße der Schale: 39 cm x 23 cm x 9cm

Nun könnte man einwenden, dass antike chinesische Bonsaischalen reich verziert, farbenfroh und oft stark folkloristisch sind. Das hängt aber damit zusammen, dass es am Anfang der Bonsaigeschichte keine zum Baum passende Keramik gab, und die ersten Pflanzschalen zweckentfremdete Kulturgefäße waren.

Erst vor ca. 200-300 Jahren entstanden in China Töpfereien, die sich auf Bonsaischalen spezialisierten. Sie töpferten anfangs wohl noch für den chinesischen Eigenbedarf, dann aber zunehmend für japanische Kunden.

Im Laufe der letzten Jahrhunderte entwickelte sich zunehmend unter chinesischem, koreanischem und japanischem Geschmacksempfinden die Schalentöpferei hin zur einfachen und schlichten Form.

Es ist anzunehmen, dass Schalenempfinden aus der hohen Ästhetik der Teeschale abzuleiten ist. Nicht zuletzt ist es „RIKYU“ (Pflichtlektüre für Bonsaiästhetiker, Horst Hammitsch – ZEN in der Kunst der Teezeremonie) zu verdanken, dass einfachsten und schlichtesten Formen höchster Stellenwert zugestanden wurde.

Importierte chinesische, nach japanischem Geschmack erstellte Schalen waren vor ca. 200 Jahren schon sehr gefragt. Dieser spezielle Geschmack ist die geistige und sinnliche Wurzel der Bonsaischalen-Töpferei bis in unsere heutige Zeit. Man könnte fast sagen, dieser Geschmack ist zeitlos geworden und wird in aller Zeit Bestand haben.

Größe der Schale: 21 cm x 21 cm x 45,5 cm

Eine der schönsten Drachenschalen, die ich je gesehen habe. Alles über die Drachen finden Sie auf dieser Webseite in der Rubrik „Drachenschalen“

Die Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft stehen in enger Verbindung mit den menschlichen Sinnen. Gerade in der Bonsaikunst gilt es diesen Geschmack zu erkennen und zu verfeinern. Geschmack und Gefühl verlieren sich ineinander und bringen etwas hervor, was man in unserem Fall auch BONSAI nennen könnte.

(Artikel wird bei Bedarf fortgesetzt)

Die hier vorgestellten Schalen stammen alle aus der Sammlung von Paul Lesniewicz.
Text und Fotos: Peter Krebs