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Es grünt so grün...

  Bild 1  Akebia quinta, Akebie. Höhe 50 cm

 

Die“ Geschichte der Bonsaischale in Europa“ und die  „Geschichte der Bonsaischale „ generell ist in Europa immer noch eine ungeschriebene. Dabei wäre es für eine so hoch in der Ästhetik stehende Kunst wie Bonsai wichtig, erschöpfend Bescheid zu wissen. Das Bonsaiwissen über Technik, Formen, Werkzeuge und Erde ist in den letzten Jahren optimiert worden. Die Schale aber ist immer noch das „ unbekannte Wesen „. Das liegt aber nicht daran, dass für Schalen kein Interesse besteht, sondern vielmehr an der Tatsache, dass es kein Wissen über Ästhetik einer solchen gibt ( z.B. welche Schale für den Baum, welche Füßchen zur Schale, welche Oberlippe, welche Bauchform, welcher Zierrand, welche Glasur etc. im Zusammenspiel von Ästhetik und Baumform ). Es fehlen Bonsaimeister und Töpfer mit Erfahrung sowie Literatur über dieses Thema. Es gibt in Japan ausreichende Literatur über Schalen, vom Taschenbuch bis zum Luxusband für 800,00 €!!! Das Problem ist nur, wer geht das finanzielle Wagnis ein, ein solches Buch für den deutschen Bonsaifreak zu übersetzen? Die, die es finanziell könnten, sagen sich, es gibt kein großes Interesse für Schalen, es lohnt sich nicht. Damit wäre ich wieder am Anfang meines Artikels.

 

  Bild 2   BONSAI ART

 

  Bild 3  "Taoistische Verwirbelung" Schalensammlung von Meister Busch

 

Auch mein Wissen über Bonsaischalen ist nur begrenzt. Das wenige, was ich darüber in Erfahrung gebracht habe, möchte ich Ihnen dennoch nicht vorenthalten. Die in diesem Artikel vorgestellten Schalen stammen alle aus China und Japan. Leider ist es nicht möglich, den genauen Herstellungsort oder Künstler zu benennen, da die meisten Schalen kein Siegel tragen. Die chinesischen Schalen wurden von den einzelnen Töpfereien zu größeren, von der Regierung betriebenen Handelszentren gebracht und im In- und Ausland weiterverkauft. Da sind z.B. die FUKIEN-Töpfereien in der Provinz Fukien. Sie sind berühmt für ihre glasierten Schalen.

 

  Bild 4  Schale in Privatbesitz

 

  Bild 5  Schale in Privatbesitz

 

 Die kantonesischen Schalen sind berühmt für ihre Blau- und Grünglasuren.

 

  Bild 6 Florales Band, Schale in Privatbesitz

 

Diese Töpfereien haben ihren Sitz in KUANGCHOU in der Provinz Kwangtung. Dann gibt es noch die NANBAN Schalen.

Sie stammen aus der Gegend von Xiamen an der Südküste Chinas. Die Schalen, die ich Ihnen in diesem Artikel vorstellen möchte, sind alle grün glasiert und stammen mit höchster Wahrscheinlichkeit aus den vorher genannten Töpfereien.

Schale, Bild 3, ist wohl die schönste. Alter, Patina und Farbspiel geben ihr Würde. Das Spiel der Strukturen ist fast schon wie eine „ taoistische Verwirbelung „ von Grün- und Blautönen „.Sie gehört mit Gewissheit zu den ältesten hier vorgestellten Schalen ( ca. 100-150 Jahre). Auch Bild 6 ist eine sehr alte Schale. Die durch Hand geformte, grobe runde Form wirkt durch das florale Mittelband etwas eleganter.

 

  Bild 7  Archaische Glasur, Schale in Privatbesitz

 

Die Schale, Bild 7, gehört auch mit ca. 100-150 Jahren zu den „ Methusalems“ unter den Schalen, Maße 29x21x10 cm. Die schon fast derbe Schale fasziniert durch ihr archaisches Aussehen. Die einstmals kräftig grüne Glasur hat sich von innen her durch Dünger und Wasser an einigen Stellen fast aufgelöst. Ein untrügerisches Zeichen für ihr hohes Alter. Solch eine Patina kann man nicht künstlich erzeugen. Der obere Rand ist unglasiert, so konnte man beim Brennen viele Schalen übereinander stapeln und sie nach dem Brand wieder leicht trennen. Alter und Glasur der  Schale auf Bild 11 stimmen mit der auf Bild 7 überein. Auch hier ist wieder der obere Rand unglasiert. Maße der Schale: Durchmesser 28cm, Höhe 16cm.

 

  Bild 8  Schale in Privatbesitz

 

Die Schale, Bild 8, hat schon etwas von Eleganz. Eine feine Craquelebildung verliert sich zum Boden der Schale hin. Dies ist eine Schale, die man auch mit den Fingerspitzen erfahren kann. Sie besitzt durch den niedrigen Brand eine gewisse Eigenwärme. Der obere Rand fühlt sich sehr weich und glatt an und im unteren Bereich zum Boden hin mehr samtig, eine Patina zum Fühlen. Maße der Schale: 34x24x8 cm.

 

  Bild 9  Schale in Privatesitz

 

  Bild 10  Schale in Privatbesitz

 

Bei den Schalen auf Bild 4, 9 und 10 handelt es sich um eine heute noch gängige Formen.

Diese Art wird heute wie vor über 150 Jahren noch in gleicher Form und Glasur hergestellt. Die Rezeptur der Glasur wurde von Generation zu Generation weiter vererbt. Dies ist der Grund, weshalb man eine alte, ungebrauchte Schale von einer neueren nicht oder nur sehr schwer unterscheiden kann. Bei einer in Gebrauch gewesenen Schale ist das etwas einfacher. Hier löst sich (wie bei der zuerst beschriebenen Schale) die Glasur durch Huminsäure, (Huminsäuren sind Abbauprozesse von biologischem Material und ist auch als Bodenverbesserungsmittel im Dünger)  langsam von innen her auf. Diese Schalen dürften etwa 60 bis 80 Jahre alt sein.

 

  Bild 11  Schale in Privatbesitz

 

  Bild 12  Schale in Privatbesitz

 

  Bild 13 Drachenschale ca. 100 Jahre alt, in Privatbesitz

 

Einige sehr schöne Beispiele japanischer Bonsai in alten, runden, grünen Schalen.

 

  Bild 14  BONSAI ART

 

  Bild 15 BONSAI ART

 

  Bild 16  BONSAI ART

 

 Bild 17  BONSAI ART

 

  Bild 18  BONSAI ART

 

So harmonisch können grüne Schalen sein.

 

  Bild 19  BONSAI ART

 

  Bild 20 BONSAI ART

 

  Bild 21  Diese Schale befindet sich in Japan.

 

  Bild 22  BONSAI ART

 

  Bild 23  Diese Schale befindet sich in Japan.

 

 Bild 24  BONSAI ART

 

 Bild 25  Diese Schale befindet sich in Japan.

 

  Bild 26 BONSAI ART

 

  Bild 27  Diese Schale befindet sich in Japan.

 

  Bild 28  BONSAI ART

 

  Bild 29  Diese Schale befindet sich in Japan.

 

Auch grüne Dekorschalen besitzen eine große Ausstrahlung.

 

  Bild 30  BONSAI ART

 

  Bild 31  BONSAI ART

 

  Bild 32  Diese Schale befindet sich in Japan. Solche Schalen werden auch heute noch in Form und Glasur so hergestellt. 

 

  Bild 33  BONSAI ART

 

Hier noch eine ganz aparte kleine zartgrüne Schale mit Stempel, Bild 34 und 35 (Herkunft unbekannt).  Bild 34 Schale in Privatbesitz

 

  Bild 35  Schalenstempel

 

 

Peter Krebs

 

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 Meinen ganz besonderen Dank an den Verlag BONSAI ART für die großzügige Bereitstellung der wunderschönen Bonsaibilder.

 

Schalenfoto:  Nr. 3 und 5 aufgenommen von Helmut Rüger

 

Schalenfoto:  Nr. 4, 5, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 34, 35 Peter krebs und Bernd Braun 

 

Schalenfoto:  Nr. 21, 23, 25, 27, 29, 32, BONSAI ART AUCTION, Japan

 

Schale Nr. 3, 4, 5, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 34, 35 stammen aus der Sammlung von Paul Lesniewicz

 

Schale Nr. 21, 23, 25, 27, 29, BONSAI ART AUCTION, Japan 

 

Die wohl größte alte, grüne Schalensammlung in Deutschland ist bei Meister Busch in Düsseldorf zu bewundern. 


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