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Frostfeste Schalen?

Frostfestigkeit einer Schale

 

Eine Bonsaischale wird meist als eine Einheit angesehen, besteht bei glasierten Schalen jedoch aus zwei unterschiedlichen Dingen, einmal dem Scherben, damit meint der Fachmann aber nicht eine zerbrochene Schale, sondern man versteht darunter den Schalenkörper, den aus Ton geformten Gegenstand und der Glasur. Die Glasur, ob glänzend oder matt, ist der Überzug oder das Kleid der Schale.

Beide Scherben (Schalenkörper) und Glasur müssen in ihrem Ausdehnungsverhalten genau aufeinander abgestimmt sein, sonst entstehen Glasurrisse, Abrollen der Glasur, Kantenabsprengungen und ähnliche Glasurfehler.

 

Zum Schalenkörper, dem Ton.

Alle Tonarten sind unterschiedlich, denn Ton ist ein Naturprodukt. Man findet kaum eine Tongrube, die einer anderen in der Tonqualität gleich ist. Der Töpfer muss also genau bestimmen welche Tonsorte er für seine Schalen verwendet und bei welchen Temperaturen er die Schale brennt, damit sie frostfest wird. Die Frostfestigkeit einer Schale wird nach dem Wasseraufnahmevermögen des Scherbens berechnet.

 

Frostschaden an einer hochwertigen asiatischen Schale

 

 

Schaden im Inneren der Schale

 

An Dieser Schale sind beide Frostschäden zu sehen.

(Fotos: Dale Cochoy, Ohio USA) 

 

 

 

1. Die Chips, die sich abgelöst haben, kommen von dem Wasser, das in den Schalenkörper eingedrungen ist, und der Frost hat sie abgelöst.

 

2. Der Riss an der Ecke der Schale kommt von dem Druck, den die gefrorene Erde auf die Schale ausgeübt hat.

 

 

Der Test.

Nehme eine kleine Tonplatte und wiege sie nach dem Hochbrand oder gleich die fertig gebrannte Schale. Dann koche diese ca. fünf Minuten auf. Damit kleine mit luftbesetzte Hohlräume verschwinden, und diese sich mit Wasser auffüllen können. Danach wiege die Tonplatte oder Schale noch einmal ab. Die Gewichtszunahme darf jetzt nicht über 2 %  liegen, dann ist die Schale frostfest. (PS. hierauf muss ein Töpfer Garantien geben)

Die Dichtbrandtemperatur ist diejenige, bei der die Wasseraufnahme des gebrannten Tones unter 2 % liegt.

 

 

Brennkurve

 

Die Brennkurve eines Tones am Anfang ohne große Schwindung (Linie 1). Ungefähr bei ca. 1000° C setzt eine Schwindung des Tones ein (Linie B1) bis zu einem bestimmten Punkt, von dem an sich der Ton aufbläht, z.B. Blasen wirft, (Linie C) ab dann schmilzt der Ton in sich zusammen. (Linie D)

Die Dichtbrennkurve liegt vor dem Kurvenknick (Punkt 2A). Der Kurvenknick entspricht der größten Schwindung. Der Kegelfallpunkt (B2 nur für Töpfer) hinter dem Kurvenblick entspricht der größten Aufblähung.

Mancher Ton brennt bereits bei 1200° C schon fast dicht, hält aber eine Brenntemperatur bis 1700° C aus. Es ist aber für Bonsaischalen unsinnig, so hoch zu brennen, nur um eine Wasseraufnahme von 0,0% zu erreichen, es wäre auch viel zu riskant.

 

Bei bis zu 2% Gewichtszunahme spricht man von gesinterter Ware, von 2 - 5% von halbgesinterter Ware (nicht frostfest), von über 5% Gewichtszunahme von poröser Ware (absolut nicht frostfest).

Frostfestigkeit hat also etwas mit der Porosität einer Schale zu tun.

 

Porosität einer Schale und der Erde in ihr.

Ein wesentlicher Faktor für die Frostfertigkeit einer Schale ist auch die Erde. Normalerweise ist die Erde, hier besonders Akadama-Erde, porös genug um die Ausdehnung des Eises im Inneren der Schale aufzufangen. Zudem trägt ein entsprechend großes Abzugsloch bei, dass die Schale nicht voll Wasser läuft. Es bleiben also noch genug Porenräume offen, in denen sich das Eis ausdehnen kann, ohne die Schale zu sprengen. (PS. einen solchen Frostschaden  muss der Schalenbesitzer tragen).

Die Beschaffenheit einer Schale gegenüber Frost (wie oben beschrieben) hat also auch etwas mit Porosität zu tun. Der Schalenkörper darf sich nicht mit Wasser füllen. Der Töpfer muss durch höheren Brand dafür sorgen, das die Sättigungsfähigkeit herabgesetzt wird. Die Schale muss mehr geschlossene und nicht durchströmbare Poren aufweisen.

 

Zum Schalenkleid, der Glasur.

Auf keinen Fall darf man porös gebrannte Schalen glasieren, weil hierdurch die Oberflächenporen verstopfen würden. Eiskristalle könnten sonst nicht aus den Poren heraustreten und damit die Glasur in Schollen von der Schale abheben. Eine Glasur alleine macht eine Schale nicht wetterbeständig. Eine dicht gebrannte Schale hingegen nimmt kein Wasser auf, das Eis kann somit die Schale nicht gefährden, dadurch ist sie frostfest. Die Schale und auch die Glasur sind ein Werk des Feuers. Ein Schalentöpfer muss sich mit der Kraft des Feuers auseinandersetzen, denn hier zeigen sich die meisten Fehler wie Brand-oder Glasurrisse. Glasurrisse, feine bis grobe, entstehen oft unmittelbar nach oder auch noch nach geraumer Zeit nach dem Brand. Diese Risse entstehen hauptsächlich durch Zugspannung der Glasur. Die Spannung entsteht durch Ausdehnungsunterschiede von Glasur und Schale. Durch diesen Glasurfehler besteht also für die Schale Frostgefahr.

Achtung!!! Auch Craquelè Glasuren (im alten China „gesprungene Glasur“) sind eigentlich Glasurfehler, nur hierbei wird der Fehler absichtlich herbeigeführt. Nach dem Hochbrand bilden sich kleine feine Spannungsrisse spinnnetzartig über der Schale aus. Danach werden die Risse noch eingefärbt, um sie besser sichtbar zu machen. Auch diese Schalen sind nicht frostfest!! Auch bei zwei unterschiedlichen Bränden z.B. Schale hoch brennen und dann eine niedrig brennende Glasur aufbringen und nochmals brennen, machen eine Schale noch lange nicht frostfest.

 

Noch ein kleiner Frosttest.

Man hängt die Schale am Daumen oder Zeigefinger auf, (diesen kleinen Test kann man auch vor Ort bei dem Händler oder Töpfer machen). Je höher jetzt der Klang beim Anschlagen mit dem Knöchel der anderen Hand, umso frostfester ist die Schale. Der Klang muss rein sein und lange nachschwingen. Ist eine Schale nicht frostfest, gibt es einen dumpfen Klang und er schwingt nicht nach. Ganz geübte Schalenfreaks können die Frostfestigkeit auch mit der Zunge spüren. Nicht frostfest ist ungefähr so als würde man mit der Zunge ein Löschblatt berühren. Frostfest ist, als würde man eine Glasscheibe berühren. Und zu guter letzt der „Spucke Test“, und der geht so: etwas Spucke auf die Fingerkuppe und damit die Schale benetzen, (bei glasierten Schalen innen testen). Zieht die Feuchtigkeit schnell ein, ist die Schale nicht frostfest, bleibt die Feuchtigkeit lange stehen, ist sie frostfest.  

 

Der "Härtetest"

 

Peter Krebs

 

Alle Fotos und Zeichnung Peter Krebs  


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