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Kleine Schatztruhe Nr. 6

Kun-tsan, ein berühmter Zen-Maler, sagt: Wer das Wesen der Malerei ergründen will, muss auf die Berge steigen und die Flüsse bis zu ihren Quellen verfolgen, erst dann kann man seine Ideen schaffen.
Die Bonsaischalen-Töpferei hat in Deutschland rasant zugenommen, und die Meinungen wie eine gut eine Bonsaischale auszusehen hat, wird oft zu eng ausgelegt.
Ich glaube, dass jeder Töpfer/in, ob Laie oder Fachmann/frau, seine „Nische“ hat oder findet. Auch hier steht die Vielfalt vor der Einfalt. Bereichernd wirkt gerade hier für unser schönes Hobby das Studium alter Bonsaischalen, in Technik, Form und Malerei. Gerade diese alten chinesischen und japanischen Techniken, die Malereien oder Penjing und Bonsai sind lebensbejahend und sinnesfroh.
Der Motivschatz auf asiatischen Schalen rekrutiert sich aus Religion und Volksglaube. Die reale wie die vorgestellte Erscheinungswelt drücken sich in Zeichen und Symbolen aus. Glück, Reichtum oder beruflicher Erfolg wurden dem Besitzer eines mit solchen Symbolen bemalten Gefäßes gewünscht.
Die Darstellungen der Jahreszeiten, Pflanzen und Tiere waren eine Huldigung an die Natur. Ein beredendes Zeugnis aus jener Zeit sind diese alten Schalen aus China.

Größe: Durchmesser 24 cm x 22 cm hoch
Rund um die schöne Schale ein Gedicht oder Liedvers.

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Größe: 19 cm x 19 cm x 14 cm

In Motiv und Farbe ist diese kleine Schale ein Meisterwerk. Paradiesvogel, Blumen, Früchte, Blätter und Steine in ganzer Farbpalette auf dicker, weißer Porzellan-Glasur.
Die weiche Aufglasur wird hier zum Sinnbild lebensfroher Gebrauchskeramik.

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Diese Schale besticht durch die gleiche Farbenpracht. Hier ist die Malerei besonders sorgfältig ausgearbeitet. Sie zeigt einen sehr feinen und zarten Farbverlauf, der von höchstem künstlerischem Können zeugt. Die Bildsprache Chinas wird in dem Motiv dieser Pflanzschale lebendig.
Das Entenpaar in der Mitte steht für höchstes eheliches Glück. Dieses eheliche Glück hat in China eine hohe kulturelle Bedeutung.
Auch der Lotos, hier farb- und formenreich dargestellt, bedeutet eheliches Glück. Er steht aber auch für höchste Erotik. Der Lotos hat zwei Namen, LIEN oder HO-Lien, ist auch wortgleich mit sich „verbinden“ oder LIEN „lieben“.
Eine Lotosblüte mit Blatt und Knospe wiederum bedeutet „vollständige Vereinigung“.
Diese Bildschrift steckt voller Bedeutungen und zeigt uns wie sinnlich auch eine Pflanzschale sein kann.

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Das Alter der Schale ist nur schwer zu erfassen, schätzen würde ich es auf ca. 80-100 Jahre. Interessant sind die farbenfrohe Aufglasur-Malerei und der oben kaum noch zu erkennende Goldrand.
Normalerweise wird zuerst der Grundkörper der Schale bei ca. 1300° C gebrannt. Danach wird die Glasur-Malerei bei ca. 800°C – 1000°C aufgebrannt. Zum Schluss wird erst das Gold bei ca. 700°C – 800°C aufgebrannt, also drei Brände insgesamt.
Bei dieser Schale vermute ich, wurde um Zeit und Geld zu sparen, die Aufglasur-Malerei und das Gold in einem Durchgang bei 700°C – 800° C gebrannt. Beides, Gold und Glasur an dieser Schale sind sehr abgeblasst und abgegriffen, ein Indiz für einen Niedrigbrand.


Die Schale war wohl im Dauergebrauch, und durch tägliches Abputzen bekam sie ihre heutige Patina. Die Malerei ist sehr ansprechend, man beachte den kleinen Bonsai auf einem Stein im zweiten Foto in der Mitte

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Die hier im „Schatzkästchen“ vorgestellten Schalen stammen alle aus der Sammlung von Paul Lesniewicz.
Text und Fotos: Peter Krebs