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Patina auf alten Schalen

PATINA AUF SCHALEN

 

 

 

PHILOSOPHIE

 

Alte Keramik- oder Porzellangegenstände werden in Europa mit oder ohne Patina gleichermaßen bewertet. Anders in Asien, hier besonders in Japan, hat die Patina einen sehr hohen Stellenwert. Gebrauchsgegenstände für die Teezeremonie, Bonsaischalen und so weiter können durchaus in einer hohen  Stückzahl hergestellt worden sein, die Gebrauchspatina macht das Keramikstück aber erst wertvoll, man spricht von  SHIBUI (herb, schlicht, geschmackvoll, SHIBUMI (verfeinerter Geschmack) oder SHIBUSA (etwas Ruhiges, Unaufdringliches, nicht laut oder grell).

 

 

 

 

 

 

Patina entsteht auf natürliche Weise.

 

 

 

 

PATINA

 

Der moderne Mensch hat wenig Zeit für den Reifungsprozess einer guten Patina. Aus diesem Grund werden (auch in Asien) in fast allen Töpfereien einige Modelle von Bonsaischalen künstlich gealtert oder „patiniert“. Zur Unterstreichung der optischen  Patinawirkung werden die unterschiedlichsten  Materialien aufgebracht und eingebrannt. Diese Art von Patina ist minderwertig in den Augen eines Schalenfreaks. Die Entstehung einer Patina ist nicht zufällig, sie hängt von einigen Faktoren ab. Zeitfaktor - Benutzungsfaktor - Witterungsfaktor.

„Patina“ kommt aus dem Italienischen  und bedeutet „dünne Schicht“. Auf Bonsaischalen entsteht diese durch eine intensive Handhabung auf natürliche Weise. Bei Patina kann man von einer Verfärbung oder Überdeckung einer Glasur sprechen. Es gibt bis heute noch keine seriöse Untersuchung, wie und aus was sich eine Patina zusammensetzt, die im Laufe eines Schalenlebens entstehen kann (aber nicht muss!) Man hat zum Beispiel chinesisches Porzellan nach über 500 Jahren aus dem Meer geholt, und es war noch so glänzend und neu wie am ersten Tag. 

 

 

 

 

Man sollte die Patina nicht entfernen, da dies zu einer absoluten Wertminderung führt.

 

 

 

 

 

 

 

SCHALENPFLEGE

 

Es gibt zwei gute Gründe eine Schale von Anfang an zu pflegen. Der erste ist der wichtigste, eine gepflegte Schale sieht immer gut aus, der zweite resultiert aus dem ersten, eine exzellente Patina baut sich am schönsten auf einer gepflegten Schale auf. Die Oberfläche einer dicht gebrannten, frostfesten Schale ist vergleichbar mit einer Glasscheibe. Egal, was immer man jetzt auf die Oberfläche der Schale aufbringt, von Vaseline bis zum Maschinenöl, diese Substanzen liegen immer nur obenauf, und sie können mit einem entsprechenden Reinigungsmittel wieder abgewaschen werden. Mit Vaseline zum Beispiel ist es so. Wenn man die Schalen unbedingt damit einreiben möchte, (glasierte oder unglasierte) so kann dieses kein Unheil bringen. Es ist aber so, dass die Schalen nur fettig werden und sich durch dieses“ Fett keinerlei Patina bildet. Am besten ist das Handfett oder die Handfettsäuren, oder man verwendet ein zartes, leichtes, feines sich leicht verflüchtigendes Babyöl, Waffelöl usw. (das Öl sollte nach ca. 2 bis 3 Tagen verflogen sein!) Schalenpflege ist etwas Elementares, gehört zu Bonsai und braucht nur wenige Sekunden pro Schale. Einmal in der Woche mit Öl, wie oben beschrieben, ganz sparsam einreiben. Mehrmals in der Woche mit der Hand über dieSchale streicheln, denn das Handfett und allem, was sonst noch einer Schale ausgesetzt ist, Dünger, Witterung usw. bringen nach Jahrzehnten die erwünschte Patina. Außerdem bilden sich auf diesen gepflegten Schalen keine Kalkränder. Baum und Schale bekommen Würde und Ausstrahlung erst im Alter, dazwischen liegt das Leben.

 

 

 

 

 

Die Patina haftet nur auf der Oberfläche, speckig, glänzend oder matt, dunkel bis schwarze Patina

 

 

 

 

 

DIE SCHALE

 

Wenn eine Schale aus dem Brennofen geholt wird, ist sie brandneu und hat noch den Geschmack des Feuers. Dann gibt es Schalen, die schon über tausend Jahre alt sind. Irgendwo dazwischen liegt der Rest der Schalenwelt. Eine Schale, (der Kaufpreis spielt hier keine Rolle ob 1,- Euro oder 1000,- Euro) die „erst“ ein Jahr in Gebrauch war, hat schon eine Patina. Sie ist zwar noch nicht deutlich sichtbar, aber der erste winzige Grundstock ist jetzt schon angelegt. Auch die tausendjährige hat so angefangen! Es gibt unzählige Beispiele hierfür, dass wertvolle alte, naturpatinierte Schalen ursprünglich aus einer Massenproduktion stammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

GLASIERTE SCHALEN

 

Handfett, Dünger, Witterung und die Zeit sind die Inhaltsstoffe einer guten Patina. Auf hochglänzenden, reinen Farbglasuren bildet sich die schönste Patina, also auf jenen Glasuren, die wir Westler so widerwillig verwenden, z.B. ein reines Wasserblau, ein reines Gelb usw..Diese Patina mit den vorher genannten Inhaltsstoffen lässt sich dann auch nicht mehr mit normalem Wasser abwischen. Diese Aussage gilt für alle Schalentypen, glasiert oder unglasiert.

 

 

 

 

 

 

 

Die Patina ist eine Schicht aus Handfett, Dünger, und feinsten Stäuben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier ein kleines Bildbeispiel:

 

Beide Gelbglasuren sind oder waren hochglänzend. Die erste Schale wurde von mir 1998 getöpfert und liegt seitdem gut verpackt im Schalenvortragskoffer. Dort wird es wohl nie zu einer Patina kommen. Die zweite Schale stammt aus Japan und ist ca. 60-80 Jahre alt. Hierauf sehen Sie die schönste Patina, wie sie mit der Zeit entstehen kann, wenn man sie bewußt fördert.

 

 

 Bild 1

 

 

PATINA ( Schändung!)

 

Auf dieser kleinen, ca. 100 Jahre alten Teekanne befindet sich die schönste und hochwertigste Patina. (Bild 2) Chinesen sprechen hier vom Wasserglanz“, die man auf Keramik bekommen kann. Diese Patina lässt sich mit Wasser nicht mehr entfernen, wohl aber, wie das Foto (Bild 3) zeigt, mit Stahlwolle. Mit diesem Akt der „Reinigung“ hat der Vorbesitzer die kostbare Teekanne fast wertlos gemacht. Für Schalenfreaks aber ein exzellentes Beispiel, wie sich eine Patina aufbaut. Der einstmals stumpfe, hellrote Kannenkörper tritt jetzt (leider!!!!) deutlich hervor.

 

 Bild 2

 

 Billd 3

Teekanne:  Höhe 10 cm

 

 

Peter Krebs

 

 

Foto Bild 1: Eginhard Rösner

 

Alle anderen Fotos: Schalen-Bildarchiv, Peter Krebs


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