Diese Seite drucken

Pius Notter Nr. 2

KANTONESISCHE SCHALE

Kantonesische Schalen (China) sind berühmt für ihre Blau – und Grünglasuren. Diese Töpfereien haben ihren Sitz in Kuangchou, in der Provinz Kwang-Tung.



Speziell die blau glasierten Schalen, wie die hier vorgestellte, bergen ein kleines Töpfergeheimnis. Fast alle chinesischen Blauglasuren haben einen sehr hohen Fließwert, zu sehen an den Glasurnasen rund um die Schale. Wird die Glasur zu dick aufgetragen, läuft oder tropft sie ab, beziehungsweise läuft oder tropft sie auf im Brennofen weiter unten stehende Schale.

Natürlich wäre es für chinesische Töpfer ein leichtes gewesen, Glasuren einzudicken oder mit einem geringeren Fließwert herzustellen. Also muß es irgendeinen Grund gegeben haben, weshalb sie ein so hohes Risiko mit einer so leicht abfließenden Glasur eingegangen sind. Interessant ist es jetzt in Anbetracht dieser Frage weiter zu forschen. Das Geheimnis der leicht fließenden Glasur ist aber bei genauer Betrachtung ganz offenkundig. So simpel wie es ist, so genial ist es auch gleichzeitig. Fast neunzig Prozent der blau glasierten Schalen sind mit floralen oder figürlichen Motiven verziert – hierin liegt das Geheimnis. Glasur mit hohem Fließwert fließt leicht an Kanten, Rillen oder modellierten Erhöhungen ab. Durch diesen Laufeffekt entstehen unterschiedlich starke Glasurdicken. Wo die Glasur abgelaufen ist, ist sie hell, mitunter transparent, so daß der weiße Ton darunter zum Vorschein kommt. Dort, wo mehr Glasur hingelaufen ist, ist sie dunkelblau. Durch diesen helldunklen Effekt entsteht ein sehr plastisches Bild. Versuche an meinen getöpferten Schalen mit streng fließender Glasur haben gezeigt, daß unter solchen Glasuren aufmodellierte Bilder teilweise oder ganz verschwinden. Leider sind viele chinesische Glasur - und Töpfergeheimnisse im Zeitalter der industriellen Anpassung versunken.



Die abgebildete Schale ist ein wunderschönes Beispiel dieser Glasurtechnik. Die Schale ist rundum mit menschlichen und floralen Symbolfiguren versehen. Auf der Vorderseite sind fünf Philosophen oder hohe Würdenträger dargestellt, drei davon sind beim Würfelspiel auf einem Steintisch. Seiten – und Rückansicht zeigen florale Muster mit Schmetterlingen; jede hier dargestellte Pflanze hat eine besondere Bedeutung. Maße der Schale : 62 cm x 30 cm x 22 cm.

Peter Krebs

Diese Schale steht im Schalenmuseum von PIUS NOTTER Schweiz (siehe auch unter „Museum Notter“)
Fotos: Pius Notter


Previous page: Pius Notter Nr. 1
Nächste Seite: Pius Notter Nr. 3