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Schalenwechsel

 Nach dem Wechsel der Vorderseite

(Igelwacholder (Juniperus rigida)

November 1994, alte Vorderseite des Baumes vor der Bearbeitung. Der Baum hat sich durch die Topfkultur zwar erheblich verbessert, wirkt allerdings sehr unordentlich. Von dieser Seite aus betrachtet ist der Wachholder etwas langweilig.

Rückseite: Der Jin war sehr schön auf natürliche Weise verwittert. Sollte das die neue Vorderseite werden, müsste man die Spitze neu aufbauen.

Neue Vorderseite nach der ersten Bearbeitung. Beurteilen wir den Baum jetzt, so hat die alte Vorderseite doch einheitlicher gewirkt. Dennoch fiel die Entscheidung für diese Seite, um den attraktiven Jin in den Vordergrund zu stellen. Das erfordert allerdings den Neuaufbau der Spitze.

August 1996. Die Umgestaltung liegt 21/2 Jahre zurück. Wie man sieht, war der Austrieb erwartungsgemäß kräftig.

Auch wenn dieser Baum nicht unbedingt aufsehenerregend ist, eignet  er sich sehr gut, um die Bearbeitung eines Exemplars mittlerer Größe im einzelnen zu veranschaulichen. Solche Bäume sind möglicherweise noch detaillierter zu bearbeiten als größere Stücke. Damit ein solcher Baum, der sich aus nur wenigen Bestandteilen zusammensetzt,einen guten Eindruck vermittelt, müssen seine Vorzüge maximal genutzt werden. Deshalb ist die richtige Auswahl der Vorderseite ausgesprochen wichtig. Die neue Vorderseite hat bei diesem Baum den Nachteil, dass die Spitze neu aufgebaut werden muss. Demgegenüber schlägt jedoch der bessere Nutzen des Jin  auf der positiven Seite zu Buche. Sicher ist nur: Lassen wir den Baum im jetzigen Zustand, so wird er immer einer unter Tausenden bleiben. Die erste Umgestaltung erfolgte mit der Absicht, ihn als Halbkaskade zu gestalten. Nicht einmal Herr Suzuki war ganz von dieser Lösung überzeugt. Der erste abgesenkte Ast hatte keine Grazie, sein Ansatz war zu weit hinten und trug nicht im  mindesten zur Betonung des Jin bei, der das schönste Element dieses Baumes darstellt. Schließlich musste man akzeptieren, dass dieser Ast nichts zur Schönheit des Baumes beisteuerte. So entschied sich Herr Suzuki, ihn einzukürzen und in einen Jin zu verwandeln. Zur Verbesserung der feinen Verzweigung wurde der Baum zum zweiten Mal zurückgeschnitten. Alle diese Korrekturen zwangen dazu, den jetzt als Sashieda (Ast, der die Baumbewegung bestimmt) fungierenden Ast der rechten Seite leicht zu modifizieren. Den letzten Schliff  bekam der Baum durch das Umtopfen.

Nach dem Beschneiden.

Rechte Seite. Die zu Ten-Jin (Jin der Spitze) gestaltete frühere Spitze wirkte nicht natürlich.

Der Kaskadenast ist entfernt und seine Basis zu Jin gestaltet worden.

Nach dem Senken des rechten Astes. Die neue Pflanzposition erforderte das Absenken des Sahi-eda.

Beim Herausnehmen aus der Schale konnten wir uns vom tadellosen Zustand der Wurzeln überzeugen.

Nach dem Auskämmen der Wurzeln. Nach dem Astschnitt konnten die Wurzeln problemlos ausgekämmt und eingekürzt werden

 Die nächsten Bilder zeigen die Auswahl der Schale und die richtige Präsentation auf einer Ausstellung..

Fünf mögliche Schalen

Quadratische Schale. Auch wenn sie etwas zu tief ist, ist sie im Prinzip nicht übel! Von der Seite aus betrachtet wirkt sie aber unpassend.

Runde Schale. Sie ist eindeutig zu groß.

Ovale Schale. Grundsätzlich ist sie für solch einen Baum passend, speziell für dieses Exemplar ist sie jedoch zu groß.

Runde Schale. Zu grazileren Bäumen passen derartige Schalen besser. Sie ist nicht ganz unpassend, aber eher für einen jüngeren Baum geeignet.

Runde Schale. Höhe 39 cm, Breite 48 cm. Diese Schale ist etwas knapp bemessen. Die Dynamik des Shari und die Größe des Baumes kommen darin besser zur Geltung. Außerdem ist sie gut auf das Alter des Baumes abgestimmt.

In der Präsentation sollte der Baum die Hauptrolle spielen.

Landschaft mit drei Elementen. Rechts: Ein kleiner Euonymus lehnt sich über den Abgrund.  

Autor: Tooru Suzuki

 

Dieser Artikel wurde freundlicherweise von BONSAI  ART zur Verfügung gestellt.


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